Georg Nees gehört zu den stillen Pionieren der generativen Kunst. Er arbeitet nicht im klassischen Kunstbetrieb, sondern kommt aus der Welt der Mathematik, Informatik und Technik. Als einer der ersten weltweit nutzt Georg Nees den Computer nicht nur zur Berechnung, sondern zur Erzeugung ästhetischer Formen. Seine Arbeiten markieren einen Moment, in dem Kunst und Algorithmus erstmals sichtbar ineinandergreifen.
Geboren 1926 in Nürnberg, studiert Georg Nees Mathematik und Physik und arbeitet später als Informatiker bei Siemens. Dort hat er Zugang zu Großrechnern, die in den sechziger Jahren eigentlich rein funktionalen Zwecken dienen. Georg Nees erkennt jedoch früh ihr gestalterisches Potenzial. Er beginnt, Programme zu schreiben, die Linien, Winkel und Flächen nach festgelegten Regeln anordnen. Die Ergebnisse werden mit Plottern auf Papier gezeichnet – etwas gänzlich Neues in der Kunstwelt.

1965 stellt Georg Nees seine Computergrafiken erstmals öffentlich aus. Die Ausstellung gilt heute als eine der ersten Präsentationen von Computerkunst überhaupt. Was das Publikum sieht, sind abstrakte Kompositionen aus geometrischen Elementen, erzeugt nicht durch Hand, sondern durch Code. Damit stellt Georg Nees grundlegende Fragen: Kann eine Maschine Kunst schaffen? Und wenn ja, wo liegt dann die Rolle des Menschen? Für Georg Nees liegt die Antwort im System. Der Kunstschaffende definiert die Regeln, der Computer führt sie aus. Zufall spielt dabei eine zentrale Rolle, allerdings nicht als Chaos, sondern als kontrolliertes Element innerhalb eines klaren Rahmens. Diese Verbindung aus Ordnung und Unvorhersehbarkeit wird zu einem Kernprinzip der generativen Kunst. Georg Nees zeigt, dass ästhetische Vielfalt nicht trotz, sondern gerade wegen formaler Strenge entsteht.
Formal stehen seine Arbeiten der Konkreten Kunst nahe. Geometrie, Klarheit und Struktur bestimmen das Bild. Doch im Unterschied zu vielen konstruktiven Künstlern macht auch Georg Nees – wie eben die meisten generativen Künstlerinnen und Künstler – den Entstehungsprozess selbst zum Thema. Der Algorithmus ist nicht unsichtbar, sondern prägt das Erscheinungsbild unmittelbar. Die Bilder wirken wie visuelle Protokolle eines Denkprozesses. Neben seiner künstlerischen Praxis ist Georg Nees auch theoretisch aktiv. Er schreibt über Computerkunst, Zufall und Kreativität und trägt entscheidend dazu bei, algorithmische Kunst als ernstzunehmende Disziplin zu etablieren. Dabei bleibt er stets zwischen den Welten: Ingenieur und Künstler, Wissenschaftler und Gestalter. Georg Nees macht mit seinen Arbeiten deutlich: Der Computer ist kein kaltes Werkzeug, sondern ein Medium – eines, das neue Formen des Sehens ermöglicht.
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