„Hommage à Paul Klee“

Nochmal zu Frieder Nake, den ich vorgestern hier bereits vorgestellt habe.

Im Jahr 1965 entsteht in Stuttgart ein Werk, das heute als Meilenstein der frühen Computerkunst gilt: Frieder Nakes Werk „Hommage à Paul Klee“.

Die „Hommage à Paul Klee“ entsteht nicht mit Pinsel oder Stift, sondern mit einem Zuse-Großrechner und einem Plotter – ein radikaler Bruch mit traditionellen Vorstellungen von Autorschaft und künstlerischem Prozess. Frieder Nake, damals junger Mathematiker, nutzt Algorithmen, um die ästhetischen Prinzipien Paul Klees in eine neue, maschinelle Sprache zu übersetzen. Das Ergebnis wirkt zugleich streng und spielerisch, mathematisch präzise und überraschend poetisch.

Frieder Nake, Hommage à Paul Klee, Stuttgart, 1965, Quelle: Mohr, Manfred, et al., Nake, Frieder & Stoller, Diethelm, eds. 1993. Algorithmus und Kunst »Die präzisen Vergnügen«. Sautter & Lackmann, Hamburg

Das Werk besteht aus einem Raster aus Rechtecken, die sich über die Fläche verteilen. Jedes Feld ist unterschiedlich gefüllt: mal mit Linien, mal mit Schraffuren, mal mit leeren Flächen. Die Komposition entsteht durch ein Programm, das Frieder Nake selbst schreibt – ein Regelwerk, das Zufall und Struktur miteinander verknüpft. Der Plotter zeichnet die Linien mit gleichmäßiger Präzision auf das Papier, doch die Variation der Felder erzeugt eine lebendige, fast musikalische Rhythmik.

„Hommage à Paul Klee“ markiert einen Moment, in dem Kunst und Informatik erstmals sichtbar ineinandergreifen. Frieder Nake beweist mit dem Werk, dass der Computer nicht nur Recheninstrument, sondern auch ästhetisches Werkzeug sein kann. Die Arbeit steht exemplarisch für die Frage, wie viel Autorschaft im Algorithmus steckt und wie viel Zufall die Maschine zulässt. Frieder Nake selbst versteht den Computer als Partner, nicht als Ersatz. Er definiert die Regeln, doch die Maschine entscheidet über die konkrete Ausführung – ein Dialog, der seiner Zeit weit voraus ist.

Beim Betrachten des Werks fällt auf, wie stark es sich an Paul Klees bildnerische Prinzipien anlehnt, ohne sie zu imitieren. Die geometrische Ordnung erinnert an Paul Klees Farb- und Formfelder, doch Frieder Nake überführt sie in eine digitale Logik. Die Linien sind klar, die Struktur ist streng, aber die Variation der Muster erzeugt eine visuelle Spannung, die an Paul Klees spielerische Experimente mit Rhythmus und Bewegung erinnert. Die Hommage ist keine Kopie, sondern eine Übersetzung – von Handwerk in Code, von Intuition in Algorithmus.

Heute wirkt „Hommage à Paul Klee“ erstaunlich zeitlos. In einer Welt, in der generative KI allgegenwärtig ist, erscheint Frieder Nakes Werk wie ein früher Vorläufer aktueller Debatten. Es zeigt, dass die Frage nach Kreativität im digitalen Zeitalter nicht neu ist. Frieder Nake stellt sie bereits 1965 – und sein Werk liefert bis heute eine präzise, elegante und überraschend poetische Antwort.

Noch ein wenig mehr zu Frieder Nake im Online Artikel des Informatik-Magazins: Zwischen Algorithmik und Ästhetik

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