Ryoji Ikeda – Zahlen zu Licht und Linien zu Klang

Als letzten Künstler meiner Reihe zur japanischen Konkreten Kunst zu Ryoji Ikeda – dessen Werke nicht unbedingt so offensichtlich der Konkreten Kunst zuzurechnen sind: wenn Zahlen zu Licht werden und Linien zu Klang, dann betritt man die Welt von Ryoji Ikeda. Der 1966 geborene Künstler zählt zu den bedeutendsten Vertretern digitaler und audiovisueller Abstraktion Japans. Seine Werke bestehen meist aus streng geometrischen Strukturen, die in rhythmischer Präzision visuell und akustisch erfahrbar werden. Für Ryoji Ikeda ist die Geometrie nicht nur Form, sondern Medium, das Wahrnehmung und Bewusstsein erweitert.

Ryoji Ikeda*, 9yzRyoji Ikeda dataverse exhibitionCC BY-SA 4.0

Ryoji Ikeda arbeitet vor allem mit mathematischen Daten, Licht, Projektionen und elektronischem Klang. In seinen ikonischen Installationen wie “data.scan” oder “the planck universe” entstehen Räume aus endlosen Zahlenreihen, Rastern und Linien, die sich über Wände und Böden erstrecken. Das Publikum wird Teil eines immersiven Universums, in dem jede Bewegung, jeder Blick eine Reaktion auslöst. Hier trifft die strenge Geometrie der japanischen Konkreten Kunst auf moderne Technologie – und schafft ein synästhetisches Erlebnis aus Licht, Ton und Raum.

Seine Arbeiten sind ebenfalls stark von der Minimal-Art und Op-Art inspiriert, verweisen aber zugleich auf traditionelle japanische Konzepte von Leere, Rhythmus und Konzentration. Ein einziger Punkt oder eine Linie kann in Ryoji Ikedas Werk die Wirkung ganzer Flächen entfalten. Wie bei Lee Ufan oder Tadasky werden die Betrachtenden auf die Präsenz des Materials beziehungsweise der Form selbst aufmerksam – nur dass eben hier das Medium digital und dynamisch ist.

Ryoji Ikeda zeigt auch, wie japanische Abstraktion die Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft verschwimmen lassen kann. Mit Zahlen, Licht und Klang erschafft er Räume, die zugleich rational, präzise und überraschend poetisch sind – Mathematik, Datenanalyse und Klangformeln werden zu ästhetischen Werkzeugen. Die Reduktion auf elementare Formen – Linien, Punkte, Zahlen – spiegelt den japanischen Hang zur Klarheit und Konzentration wider, der sich seit Gutai und Mono-ha wie ein roter Faden durch die japanische, moderne Kunstgeschichte zieht.

Jede Menge mehr Informationen zu diesem spannenden Künstler: Ryoji Ikeda

*) Teil von Ryoji Ikedas Dataverse-Ausstellung in der Galerie Almine Rech in Brüssel, Belgien. In einem großen, schlichten Raum wird dieses sich ständig weiterentwickelnde Werk, begleitet von synchronisierter elektronischer Musik, an eine Wand projiziert.

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