Noch ein japanischer Künstler, der sich den Punkten und Kreisen verschrieben hat: Minoru Onoda ist einer der eigenwilligsten Vertreter der japanischen konkreten Kunst. Mit seinen unzähligen Punkten, Kreisen und Farbflächen entwickelt er eine Bildsprache, die zugleich streng systematisch und poetisch wirkt. Gleichzeitig sind die Werke wie visuelle Partituren: rhythmisch, endlos, meditativ.
Minoru Onoda studiert Malerei in Osaka und schließt sein Studium Anfang der sechziger Jahre ab. In einer Zeit, in der Japans Nachkriegsavantgarde in voller Bewegung ist, findet er zu einer eigenen, klaren Bildsprache: dem Punkt. Er tritt der Gutai-Gruppe bei, die international für ihre radikalen Performances und Materialexperimente bekannt wird. Innerhalb dieser Gemeinschaft nimmt Minoru Onoda schnell eine besondere Position ein. Während andere Mitgliederinnen und Mitglieder oft mit Aktionen, Spontanität und Zufall arbeiten, konzentriert er sich auf Ordnung, Systematik und die stille Kraft der Wiederholung. Minoru Onodas Werk steht also im Kontrast zu den expressiven Experimenten der Gutai-Gruppe oder auch den stillen Materialkonstellationen von Mono-ha. Er sucht nicht das Chaos, nicht die Spuren des Körpers, sondern eine klare, universelle Bildsprache. Gleichzeitig ist seine Arbeit zutiefst japanisch: Die Reduktion, die Konzentration auf das Elementare erinnert an Zen-Philosophie, an die Meditation über das Kleine, das ins Unendliche weist. Seine Punkte und Kreise werden zu einem Markenzeichen – zugleich streng und poetisch, mathematisch und meditativ.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelt Minoru Onoda seine Bildwelt konsequent weiter. Punkte wachsen, verdichten sich, zerstreuen sich wieder – immer in klaren Farbkontrasten, oft seriell angelegt. Mit dieser Methode schafft er Werke, die zeitlos wirken und in ihrer Klarheit weit über dekorative Muster hinausgehen. Für Minoru Onoda ist der Punkt das „Elementarteilchen der Kunst“, Beginn und Ende jeder Form.
In den achtziger- und neunziger-Jahren entwickelt Minoru Onoda seine Kunst in einer spannungsvollen Balance zwischen Konsequenz und Erweiterung weiter. Während die frühen Arbeiten stark von der seriellen Ordnung kleiner Punkte geprägt sind, beginnt er in nun die Skalierung zu variieren: Die Punkte werden größer, die Bildfelder monumentaler, und die Strukturen wirken dynamischer. Statt gleichförmiger Raster entstehen Kompositionen, in denen die Punkte sich verdichten, ausdehnen oder in Wellenbewegungen über die Leinwand ziehen. Damit verstärkt sich der Eindruck von Bewegung und räumlicher Tiefe – die Bilder erscheinen weniger statisch, sondern fast lebendig.
Minoru Onoda experimentiert in dieser Zeit auch stärker mit Farbe. Neben den klaren Kontrasten von Schwarz, Weiß und Primärfarben treten differenziertere Töne, die seine Werke subtiler und vielschichtiger wirken lassen. Die strenge Geometrie bleibt, doch sie erhält eine neue sinnliche Dimension.
In den neunziger-Jahren geht er noch einen weiteren Schritt und sucht nach einer Synthese von Ordnung und organischem Wachstum. Manche Bilder erinnern nun an kosmische Strukturen, an Zellen oder Galaxien, ohne dabei ins Figurative abzudriften. Der Punkt bleibt Ausgangselement, wird aber zu der Metapher für Energie und Expansion. Minoru Onoda selbst spricht davon, dass der Punkt für ihn „die Grundlage allen Seins“ darstellt – ein universelles Zeichen, das sich ständig verwandelt.
Jede Menge mehr Informationen zum Leben und Wirken des Künstlers: ONODA MINORU.
Weitere Informationen und Fotos seiner Werke auch auf den Webseiten der Galerie Nicolas Krupp: Minoru Onoda
Hinterlasse einen Kommentar