Vorgestern habe ich die Mono-ha Bewegung von japanischen Künstlerinnen und Künstlern hier vorgestellt. Bevor ich auf einzelne Vertreterinnen und Vertreter eingehe, hier noch ein wenig mehr zu den Strömungen innerhalb der Bewegung. In einer 1986 anlässlich einer Ausstellung erschienenen Analyse „Was war Mono ha?“ werden drei zentrale Strömungen der Mono-ha Bewegung, die Ende der sechziger Jahre die japanische Kunstlandschaft prägt, beschrieben:

Die erste Strömung, die „Lee & Tamabi Connection“, formiert sich um Studierenden im Malereikurs von Yoshishige Saitō – einem Vorreiter der Abstraktion in Japan – arbeiten. Hinzu kommen Studierende aus der Bildhauereiabteilung der Tama Art University – im Studentenjargon „Tamabi“ – und Lee Ufan, einer der wichtigsten Vertreter des Bewegung. Diese Künstlerinnen und Künstler entwickeln einen philosophisch grundierten Ansatz, der Metaphysik, Material und die Spannung zwischen Natur und Technik miteinander verknüpft. Ihre klaren Bezugspunkte zur japanischen Ästhetik machen die Gruppe zu einer der einflussreichsten Strömungen innerhalb von Mono-ha.
Parallel dazu entsteht die „Geidai Connection“ um Kōji Enokura und Noboru Takayama, beide Absolventen der Tokyo University of the Arts. Die Gruppe erweitert das Feld der Bewegung: Zu ihren Materialien gehören Bahnschwellen, farbiger Plastikmüll oder getränkte Stoffe. Gleichzeitig experimentieren sie mit Malerei, fotografischen Verfahren, Klang und Film und verleihen Mono-ha eine neue sensorische Dimension.
Die dritte Strömung, die „Nichidai Connection“, bildet sich an der Nihon-Universität. Zentrum der Gruppe ist Noriyuki Haraguchi, dessen Werk stark von der Militärpräsenz seiner Heimatstadt Yokosuka geprägt ist. Seine Installationen bestehen aus Beton, Stahl, Maschinen- und Fahrzeugteilen oder Öl – Materialwelten, die auf Schwerindustrie und geopolitische Spannungen verweisen.

Um 1975 löst sich die Mono-ha Bewegung auf. Viele Kunstschaffende gehen ins Ausland oder schlagen neue Wege ein, doch zahlreiche ihrer Ideen leben weiter – in rekonstruierten Werken und in weiterentwickelten minimalistischen Ansätzen. International findet Mono-ha zunächst nur wenig Beachtung, auch weil ihre leisen Gesten im Vergleich zu westlicher Avantgarde unspektakulär wirken. Doch gerade diese Zurückhaltung verleiht der Bewegung heute große Aktualität. In Zeiten von Überfluss und Beschleunigung wirken die Arbeiten fast wie Meditationen über das Wesentliche. Heute gilt Mono-ha als eine der bedeutendsten japanischen Avantgarden der Nachkriegszeit. Ihre Werke zeigen, dass Kunst nicht immer im Spektakel liegen muss – manchmal reicht es, die Dinge selbst sprechen zu lassen.
Quelle dieser Einführung und für eine Vertiefung sei auf den Wikipedia-Eintrag verwiesen: Mono-ha – Wikipedia und die ausführliche, englischsprachige Einfühungin das Wirken der Mono-ha Künstlerinnen und Künstler Kamakura Gallery: What was MONO-HA?
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