Lichtkunst in Waldenbuch

Von Atsuko Tanakas Electric Dress mit den leuchtenden Glühbirnen, dass ich vorgestern hier vorgestellt habe, zur einer Ausstellung im Museum Ritter in Waldenbuch, die sich ebenfalls mit Licht beschäftigt: Bis zum 19. April nächsten Jahres zeigt die Ausstellung mit dem Titel „Glanzstücke. Lichtkunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter“ Positionen der Lichtkunst.

Betty Rieckmann, A Morphing Frank Stella 10, 2015 © Künstlerin, Foto: Betty Rieckmann

In der Ausstellung beeindrucken rund 20 Arbeiten gleichermaßen durch ihre sinnliche Wirkung wie durch ausgefeilte visuelle Effekte. Die Werke spannen einen zeitlichen Bogen von den frühen sechziger Jahren bis heute und stehen für ein kontinuierliches Interesse von Kunstschaffenden am gestalterischen Potenzial von Licht. Denn Licht ist Medium und Metapher des Sehens wie auch der Erkenntnis. Es macht sichtbar und lenkt den Blick auf das Kunstwerk; zugleich wirkt es mit seiner Strahlkraft in den Raum hinein. Kunst mit und aus Licht hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt der Sammlung entwickelt. Im Fundus der Kollektion des Museum Ritter befinden sich etliche historische Beispiele der Lichtkunst der Nachkriegszeit, die in Europa mit Bewegungen wie ZERO in Düsseldorf, der französischen GRAV und der italienischen Arte Programmata einen ersten Höhepunkt erreicht. Beflügelt von einem Geist des Aufbruchs, reizen damals progressive Künstlerinnen und Künstler die besonderen Eigenschaften von Licht vermehrt kreativ aus. Indem sie Leuchtstoffröhren oder Glühlampen mit Elektromotoren und industriell produzierten Materialien wie Linsen, Aluminium, Wellen- oder Plexiglas kombinierten, erzielen sie überraschende Wahrnehmungseindrücke. Das künstlerische Interesse am Licht hat seitdem nicht nachgelassen. Während manche Kunstschaffende unserer Zeit auf ein opulent leuchtendes Farbenspiel setzen und emotional aufgeladene Werke gestalten, die atmosphärisch in den Raum abstrahlen, bevorzugen andere die kühle Sinnlichkeit von weißem oder bläulichem Neonlicht. Einige Arbeiten faszinieren durch ein wechselndes Farbenspiel oder eine raffinierte illusionistische Tiefenwirkung, die entsteht, indem das Licht geschickt gelenkt und mit Spiegeln oder Einwegspiegeln kombiniert wird. Unter den Exponaten befinden sich auch solche, die ganz ohne eigene Lichtquelle auskommen. Sie bestehen zum Beispiel aus fluoreszierendem Acrylglas, das unter dem Einfluss von Außenlicht scheinbar magisch zu leuchten beginnt. Es sind vor allem jene auratischen Qualitäten, die das Licht fortwährend zu einem überaus reizvollen Werkstoff der Kunst machen.

Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Glanzstücke. Lichtkunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter

Viel Spaß in Waldenbuch!

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