Atsuko Tanaka – Licht, Farbe und Körper

Atsuko Tanaka ist die experimentelle Visionärin der Gutai-Gruppe, die ich in den vergangenen Tagen hier zum Thema des Blogs gemacht habe. Bei der Japanerin verschmelzen Malerei, Skulptur und Performance zu immer neuen künstlerischen Erlebnissen. 1932 in Osaka geboren, gehört sie zu den jüngeren Mitgliedern der Gruppe und prägt insbesondere die späten fünfziger- und sechziger Jahre. Ihre Arbeit ist radikal, sinnlich und oft humorvoll, und sie lotet die Grenzen zwischen Körper, Raum und Technologie aus.

Atsuko Tanaka arbeitet nicht nur mit Licht, sondern experimentiert auch mit Farbe, Stoffen und Bewegung. Ihre reliefartigen Farbflächen zeigen eine tiefe Auseinandersetzung mit Struktur und Rhythmus: Kreise, Linien und geometrische Formen wiederholen sich, verschieben sich, modulieren das Licht und erzeugen eine visuelle Spannung. Sie verbindet dabei die Präzision geometrischer Abstraktion mit einer fast spielerischen Dynamik, die der harten Strenge anderer Gutai-Künstlerinnen und -künstler gegenübersteht.

Atsuko Tanaka, 89m, 1989, Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Die Künstlerin begreift Material und Körper als gleichwertige Partner im kreativen Prozess. Farbe, Licht, Elektrizität – alles ist Teil eines choreografierten Experiments. Ihre Werke sind selten statisch; sie fordern das Publikum auf, den Moment zu erleben. Die Kunst wird so zu einem Ereignis, zu einer unmittelbaren Erfahrung, die zwischen Objekt, Aktion und Raum oszilliert. Trotz der spielerischen Qualität bleibt Atsuko Tanakas Arbeit ernsthaft und reflektiert. Sie untersucht Wahrnehmung, Interaktion und den Einfluss von Energie auf den Betrachter. Ihr Werk ist nicht nur visuell beeindruckend, sondern auch intellektuell herausfordernd: Es fragt nach dem Verhältnis von Menschen, Material und Raum, nach der Rolle des Körpers in der Kunst und nach der Wirkung von Licht und Farbe in der Wahrnehmung.

Ihre Rolle in der Gutai-Gruppe ist einzigartig. Während viele andere Gutai Mitglieder mit Materialzerstörung oder körperlicher Aktion arbeiten, interessiert sie sich für Systeme, Strukturen, Wiederholung. Dabei bleibt ihre Kunst immer poetisch. Ein Kreis ist bei ihr nie nur Geometrie, sondern Teil eines größeren Ganzen, das Energie, Kommunikation und Beziehung sichtbar macht. Atsuko Tanaka bleibt der Gutai-Gruppe bis zu deren Auflösung treu und arbeitet auch danach kontinuierlich weiter.

Atsuko Tanaka stirbt 2005. Heute gilt sie als Pionierin der japanischen Avantgarde und als Künstlerin, die Technologie und Körperlichkeit, Abstraktion und Systemdenken auf unvergleichliche Weise verbunden hat. Ihr „Electric Dress“ bleibt eine Ikone – ein Bild für die Verschmelzung von Menschen, Maschine und Kunst, welches bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat. In den kommenden Tagen mehr zum Electric Dress

Ein wenig mehr zum Leben der Künstlerin und einige Fotos ihrer Werke: Atsuko Tanaka

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