Jirō Yoshihara – Kalligraphie und Kreise

Nochmal zurück zum Gründer der Gutai-Bewegung: Jirō Yoshihara.

Jirō Yoshihara selbst ist ein vielseitiger Künstler. Er beginnt als Maler, inspiriert vom westlichen Surrealismus und Abstraktion. In den dreißiger- und vierziger Jahren ist er bereits eine etablierte Figur in der japanischen Kunstszene. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg erkennt er, dass die Kunst mehr braucht als neue Stile – sie braucht einen Bruch. Japan liegt in Trümmern, das Land sucht nach Orientierung. Für Jirō Yoshihara bedeutet das: Kunst muss Freiheit verkörpern.

Seine eigenen Arbeiten spiegeln seine Suche nach Reduktion und Klarheit. Besonders bekannt sind seine großformatigen Kalligraphie-inspirierten Gemälde. Schwarze Linien auf weißem Grund, energisch und doch kontrolliert, wirken wie Zeichen einer neuen Sprache. Sie verbinden den Geist der Tradition mit der Kühnheit des Experiments. Damit verkörpert Jirō Yoshihara genau jene Spannung, die auch Gutai ausmacht.

Jirō Yoshihara, To Martha’s Memory, 1970, Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Heute gilt Jirō Yoshihara als eine Schlüsselfigur der Nachkriegsavantgarde in Japan. Seine visionäre Haltung macht ihn zu mehr als einem Künstler – er ist ein Katalysator. Gutai ist nicht zuletzt sein Vermächtnis: ein radikaler Aufruf zur Freiheit, zur Erneuerung, zum Mut, immer wieder den ersten Schritt ins Unbekannte zu wagen. Gutai wird zum Inbegriff einer Kunst, die Freiheit und Experiment über Konvention stellt.

Jirō Yoshihara selbst bleibt dabei nicht im Hintergrund. Seine eigenen Werke entwickeln sich parallel zur Arbeit der Gruppe. In den sechziger Jahren konzentriert er sich auf radikale Abstraktion: schwarze Leinwände, auf denen ein einziger weißer Kreis erscheint. Diese Kreise sind streng, klar und meditativ – Symbole für Unendlichkeit und Leere, zugleich monumental und still. Mit ihnen findet Jirō Yoshihara eine Bildsprache, die reduziert ist und doch voller Energie steckt.

Als Lehrer, Mentor und Organisator ist Jirō Yoshihara eine Schlüsselfigur. Viele jüngere Künstler sehen in ihm nicht nur einen Anführer, sondern auch jemanden, der ihnen Mut macht, Grenzen zu überschreiten. Er schafft Strukturen, ermöglicht Ausstellungen, bringt Gutai international ins Gespräch. Und seine Kreise werden sein Markenzeichen. Er verkörpert den Künstler, der zugleich Visionär und Lehrer ist, der das radikale Neue fordert, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

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