Expressionismus in Mannheim

Bis zum 11. Januar nächsten Jahres widmet die Kunsthalle Mannheim den Geschichten des Expressionismus in Mannheim eine die große Sonderausstellung. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die mit „Kirchner, Lehmbruck, Nolde. Geschichten des Expressionismus in Mannheim“ betitelt ist, stehen bedeutende Meisterwerke des Expressionismus der Sammlung sowie nationale und internationalen Leihgaben. Unter anderem sind Gemälde von Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Otto Mueller, Max Pechstein, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Gabriele Münter zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Reihe von Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck.

Ernst Ludwig Kirchner: Roter Baum am Strand, 1913, Sammlung Fuchs-Werle,
Foto: Thomas Henne, HENNE FOTODESIGN, Mannheim

Der Expressionismus gilt als eine der wichtigsten künstlerischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Seine expressive Farbigkeit, seine subjektiven Formen und sein Bruch mit akademischen Traditionen sowie mit politischen und gesellschaftlichen Strukturen sind bis heute prägend und wegweisend. Doch aus aktueller Perspektive – 120 Jahre nach Gründung der Künstlergruppe Die Brücke – ergeben sich neue Fragestellungen und Blickwinkel. Die Ausstellung in Mannheim ist somit nicht nur ein Anlass, in die Vergangenheit zu blicken, sondern auch zentrale Aspekte der Gegenwart weiterzuerzählen. So verweisen einige der ausgestellten Werke unmittelbar auf die Verflechtungsgeschichte des Expressionismus mit der oftmals unrechtmäßigen Aneignung materieller Kultur in den kolonial besetzten Gebieten. Für die Künstler des Expressionismus waren Kinder, meist minderjährige Mädchen, Sinnbilder von Reinheit und Unverdorbenheit. Die zugrundeliegenden Machtstrukturen blieben jedoch unreflektiert. Zudem ist die Geschichte des Expressionismus eng mit den politischen Umbrüchen der Zeit verwoben: Manche Kunstschaffende wurden im NS-Regime verfolgt, andere waren überzeugte Anhänger. Außerdem gerieten viele Künstlerinnen in Vergessenheit oder wurden schon zu Lebzeiten marginalisiert. Heute gilt es, diese weiblichen Positionen neu zu beleuchten. So steht der Expressionismus nicht nur für radikale künstlerische Innovation, sondern auch für die kritische Auseinandersetzung mit problematischen Strukturen. Dieser neue Blick lädt dazu ein, die Exponate hinsichtlich Macht, Aneignung und Geschlecht anders zu betrachten und in ihrer expressiven Farbigkeit wiederzuentdecken.

Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Kirchner, Lehmbruck, Nolde | Kunsthalle Mannheim

Viel Spaß in Mannheim!

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