Eine weitere Künstlerin, die ich in meiner Reihe konkreter britischer Kunstschaffender vorstellen will, ist die in London lebende Künstlerin Katrina Blannin. Sie hat sich als eine der prägenden Stimmen der zeitgenössischen konkreten Kunst in Großbritannien etabliert. In der Tradition der britischen Systems Group der sechziger Jahre stehend, die mathematische Prinzipien in die Kunst einführt, gelingt es Katrina Blannin, diese Prinzipien mit einer ausgeprägten malerischen Sensibilität zu verbinden. Nach ihrem Studium am renommierten Goldsmiths College – einer Institution, die eher für konzeptuelle und provokative Strömungen bekannt ist – entwickelt sie in den neunziger Jahren eine eigenständige Bildsprache, die sich radikal auf die Grundelemente der Malerei konzentriert.

Ink on Fabriano Rosaspina Ivoire monotype, Quelle: Katrina Blannin, Maximilian #42, 2018 | Laurent Delaye Gallery
Katrina Blannins Werke zeichnen sich durch sorgfältig komponierte geometrische Raster aus, in denen sie systematisch mit Farbe, Kontrast und visuellen Rhythmen experimentiert. Dabei greift sie bewusst auf historische Farbtheorien zurück – insbesondere auf die Arbeiten von Josef Albers – und interpretiert diese in einer zeitgenössischen Bildsprache weiter. Ausgangspunkt vieler Arbeiten sind regelmäßig aufgebaute Raster – symmetrische Anordnungen von Linien, Rauten oder Rechtecken –, die jedoch nie als bloßes Konstrukt erscheinen. Vielmehr dienen sie als visuelles Gerüst, innerhalb dessen Katrina Blannin mit Variationen, Wiederholungen und minimalen Verschiebungen spielt. Dabei tritt Farbe nicht als illustratives Mittel auf, sondern fungiert als strukturelles Element: In fein abgestimmten Paletten und durchdachten Kombinationen erzeugt sie ein dynamisches Zusammenspiel von Fläche, Tiefe und Rhythmus. Oft arbeitet Katrina Blannin lasierend, sodass sich transparente Schichten überlagern und subtile Raumwirkungen entfalten.
Ein weiteres Merkmal ihrer Arbeitsweise ist die serielle Entwicklung ihrer Bildideen. In Werkreihen wird ein wiederkehrendes geometrisches Grundmuster durch minimale farbliche Veränderungen immer wieder neu hervorgehoben. Der Reiz dieser Serie liegt im Wechselspiel zwischen konstanter Form und variabler Wahrnehmung. Trotz der klaren Struktur und des systematischen Vorgehens bleibt Katrina Blannins Handschrift stets sichtbar. Pinselspuren, kleine Unregelmäßigkeiten oder bewusst nicht korrigierte Kanten verleihen ihren Bildern eine menschliche Dimension, die sie deutlich von streng konstruktivistischen Positionen unterscheidet.
So entsteht eine Kunst, die gleichermaßen rational durchdacht wie sinnlich erfahrbar ist. Katrina Blannins Arbeiten fordern das Auge, stimulieren das Denken und laden dazu ein, sich auf subtile visuelle Veränderungen einzulassen – eine stille, doch eindringliche Form abstrakter Malerei, in der System und Intuition in ein spannungsvolles Gleichgewicht treten. Heute gilt sie als zentrale Vermittlerin zwischen der historischen Systems Group und aktuellen Strömungen in digitaler Kunst und algorithmisch generiertem Design.
Jede Menge der Künstlerin im Webauftritt der Galerie Laurent Delaye: Katrina Blannin | Laurent Delaye Gallery; zur Webseite der Künstlerin geht es hier: Katrina Blannin
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