Richard Allen darf in einer Auflistung britischer Künstlerinnen und Künstler der Konkreten Kunst und der Op-Art des letzten Jahrhunderts nicht fehlen. Als wichtiger Impulsgeber der Op-Art-Bewegung entwickelt er ein unverwechselbares Werk, das sich zwischen systematischer Präzision und optischer Dynamik bewegt. Seine Arbeiten erforschen die grundlegenden Mechanismen visueller Wahrnehmung und erweitern dabei die Traditionen der konstruktiven Kunst um neue experimentelle Dimensionen.
Nach seinem Studium in Birmingham in den frühen fünfziger Jahren findet Richard Allen schnell zu einer radikal reduzierten Formensprache. Beeinflusst vom europäischen Konstruktivismus und der Konkreten Kunst entwickelt er zunächst geometrische Kompositionen, die sich mit den Prinzipien systemischer Ordnung auseinandersetzen. Doch bereits in diesen frühen Arbeiten zeigt sich sein besonderes Interesse an den psychophysiologischen Wirkungen von Form- und Farbkontrasten – ein Thema, das ihn zeitlebens beschäftigen wird.
In den sechziger Jahren wird Richard Allen dann zu einem der führenden Vertreter der britischen Op-Art. Seine charakteristischen Schwarz-Weiß-Kompositionen mit ihren präzisen Linienmustern und wellenförmigen Strukturen untersuchen systematisch optische Phänomene wie Nachbilder, Scheinbewegungen und räumliche Ambivalenzen. Anders als viele seiner internationalen Kollegen bleibt Richard Allen jedoch stets der konstruktiven Tradition verbunden. Seine Werke basierten stets auf klar definierten mathematischen Systemen und geometrischen Grundformen, die er durch subtile Modulationen in Schwingung versetzt.

Besonders innovativ ist Richard Allens Beschäftigung mit Farbe in den siebziger Jahren: in einer Reihe von Werken demonstriert er, wie sich durch systematische Farbprogressionen komplexe räumliche Illusionen erzeugen lassen. Diese Arbeiten verbinden die häufige Strenge konkreter Kunst mit einer fast malerischen Sensibilität für chromatische Interaktionen. Gleichzeitig entwickelt Richard Allen in diesen Jahren kinetische Objekte und Installationen, die den Betrachtenden aktiv in den Wahrnehmungsprozess einbeziehen.
Richard Allen bleibt zeitlebens ein eher zurückhaltender Protagonist der Kunstszene, der öffentliche Aufmerksamkeit weitestgehend meidet. Retrospektiven in den neunziger Jahren und postume Ausstellungen nach seinem Tod im Jahre 1999 haben seinen Beitrag zur Entwicklung, insbesondere der Op-Art und der System Art, neu gewürdigt. Er gilt inzwischen – nicht nur wegen seiner Werke, sondern auch wegen seiner kunsttheoretischen Arbeiten – als einer der wichtigsten Vertreter der britischen Nachkriegsabstraktion.
Jede Menge mehr Fotos seiner Werke und Informationen zu seinem Leben auf den Webseiten des Künstlers Richard Allen – Abstract, Minimalism, Systems, Pop and Op Art und auch den Webseiten der Galerie Offer Waterman Richard Allen
Hinterlasse einen Kommentar