Jean Spencer – Poesie der Systeme in der britischen Konkreten Kunst

Als eine der zentralen weiblichen Stimmen der britischen Systems Group entwickelt Jean Spencer ein einzigartiges Werk zwischen mathematischer Strenge und subtiler Farbpoesie. Ihre systematischen Kompositionen, die oft auf seriellen Anordnungen und chromatischen Progressionen basieren, zeigen eine künstlerische Balance zwischen rationalem Konzept und sinnlicher Wirkung. 

Jean Spencer gehört zur Generation britischer Künstler, die in den sechziger Jahren die Prinzipien der Konkreten Kunst neu interpretieren. Anders als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen beginnt sie nicht mit Malerei, sondern studiert zunächst am Leicester College of Art Textildesign – eine Ausbildung, die ihr späteres Interesse an Mustern, Rhythmen und Farbmodulationen prägt. Dieser Hintergrund verleiht ihren Arbeiten eine besondere textile Qualität, die sie von den streng mathematischen Ansätzen etwa Jeffrey Steeles unterscheidet. 

Jean Spencer, Ohne Titel – System I © Quelle: Redfern Gallery

Als Mitglied der Systems Group teilt Jean Spencer das Interesse an regelbasierten Kompositionen, doch entwickelte sie einen unverwechselbaren persönlichen Stil. Während männliche Kollegen wie Malcolm Hughes oder Peter Lowe oft mit scharfen geometrischen Kontrasten arbeiteten, schafft Jean Spencer subtilere Übergänge und weichere visuelle Erfahrungen. Das Charakteristische an ihrem Werk ist die Verbindung von systematischer Strenge mit einer fast musikalischen Sensibilität für Farbübergänge. In verschiedenen Serien untersucht sie immer wieder, wie sich Farbtöne nach festgelegten Schemata verändern können, um optische Rhythmen zu erzeugen. Dabei arbeitet sie häufig mit schmalen, vertikalen oder horizontalen Farbbändern, die in präzisen Abständen angeordnet sind und allmähliche chromatische Verschiebungen zeigen. 

Jean Spencers Bedeutung für die britische Kunstszene zeigt sich besonders auch in ihrer Rolle als Brückenbauerin zwischen verschiedenen Disziplinen. Sie kooperiert mit Musikern, darunter der Komponist John Cage, und untersucht in interdisziplinären Projekten mit Musikern und Komponisten die Parallelen zwischen serieller Musik und visuellen Strukturen. Diese Offenheit für andere Kunstformen macht ihr Werk bis heute relevant – besonders im Kontext aktueller Diskussionen über intermediale Kunst. 

Jean Spencers Kunst erinnert uns daran, dass selbst die strengsten künstlerischen Regeln der Konkreten Kunst Raum für Poesie lassen – und dass Farbe nicht nur ein formales Element, sondern ein Medium des Gefühls sein kann.

Jede Menge Fotos ihrer Werke: Jean Spencer; mehr zum Künstlerin auf den Webseiten der Redfern Gallery Jean Spencer | The Redfern Gallery und noch ein wenig mehr zur Künstlerin in Wikipedia: Jean Spencer – Wikipedia

Kategorien: ,

Hinterlasse einen Kommentar