Michael Tyzack – Pionier kinetischer Geometrie in der britischen Kunst

Michael Tyzack nimmt eine besondere Stellung in der britischen Nachkriegskunst ein. Der in London ausgebildete Künstler entwickelt eine unverwechselbare visuelle Sprache, die konstruktive Strenge mit optischer Dynamik verbindet. Sein zwischen Systemkunst und Op-Art anzusiedelndes Werk erforscht die poetischen Möglichkeiten geometrischer Formen und ihre Fähigkeit, Bewegung und rhythmische Spannung zu erzeugen.

Nach seinem Studium in den fünfziger Jahren findet Michael Tyzack zunächst Anschluss an die Ideen der Systems Group, entwickelt jedoch bald eine eigenständige Position. Während seine Kollegen wie Anthony Hill und Malcolm Hughes mathematische Systeme als Selbstzweck betrachten, nutzt Michael Tyzack sie als Ausgangspunkt für sinnliche Wahrnehmungsexperimente. Seine charakteristischen „Spiral Progressions“ aus den siebziger Jahren demonstrieren dies exemplarisch: Durch präzise angeordnete, rotierende Scheiben und spiralförmige Muster untersucht er, wie starre Geometrie den Eindruck von Bewegung erzeugen kann.

Michael Tyzacks Arbeiten zeichnen sich durch drei wesentliche Merkmale aus: die Verwendung industrieller Materialien wie Aluminium und Acrylglas, die Erzeugung optischer Vibrationen durch präzise Linienmuster sowie die subtile Einführung reliefartiger Dreidimensionalität. Diese Elemente kombiniert, schafft er Werke, die sich je nach Standpunkt der Betrachtenden verwandeln – eine Qualität, die ihn in die Nähe von Op-Art-Künstlern wie Bridget Riley oder Victor Vasarely rückt, während er formal den konstruktiven Traditionen verpflichtet bleibt.

Besonders innovativ war Michael Tyzacks Beschäftigung mit kinetischen Prinzipien. Viele seiner Arbeiten sind tatsächlich beweglich konzipiert oder suggerierten durch geschickte Komposition Bewegung. Diese Experimente mit physikalischer und optischer Dynamik machen ihn zu einem Vorreiter späterer Entwicklungen in der kinetischen und digitalen Kunst.

Obwohl Michael Tyzack zu Lebzeiten nie den Bekanntheitsgrad einiger Zeitgenossen erreicht, wird sein Werk heute als wichtiger Beitrag zur Erweiterung der konstruktiven Kunst gewürdigt. Michael Tyzacks künstlerisches Vermächtnis liegt in seiner Fähigkeit, scheinbar gegensätzliche Prinzipien zu vereinen: Systematik und Sinnlichkeit, Strenge und Bewegung, Berechnung und Überraschung.

Mehr zu Tyzack, Michael bei ArtUK, weitere Fotos seiner Werk auch bei Artnet: Michael Tyzack; ein englischsprachiger Nachruf anlässlich seines Todes 2007 in der TIMES: Michael Tyzack

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