Ein weiterer wichtiger Vertreter der Systems Group und der Konkreten Kunst in Großbritannien ist Peter Lowe.
Peter Lowe studiert in den fünfziger Jahren in London Kunst. Ursprünglich besonders von den Werken des Romantikmaler William Turner inspiriert, findet er aber schnell zum Konstruktivismus und wird unter anderem von den Konstruktivisten Kenneth Martin und Mary Martin beeinflusst. Er entwickelt eine Vorliebe für einfache geometrische Formen und strukturelle Klarheit, die die meisten seiner frühen Werke kennzeichnen. Diese ersten Werke umfassen weiter auch Collagen und rotierende Installationen, während seine späteren Werke Zeichnungen, Reliefs, Computerdrucke und Außeninstallationen umfassen.
Das Besondere an Peter Lowes Werk ist die Verbindung von mathematischer Strenge mit einer fast musikalischen Rhythmik. In seinen „Permutations“-Serien der siebziger Jahre untersucht er systematisch, wie sich einfache geometrische Elemente durch Variationen transformieren lassen. Jedes seiner Bilder folgt dabei genau definierten Regeln: Drehungen um bestimmte Winkel, Spiegelungen entlang verschiedener Achsen und sequenzielle Anordnungen, die an musikalische Kompositionen erinnern. Diese methodische Herangehensweise führt zu Werken, die trotz ihrer Berechenbarkeit eine unerwartete Lebendigkeit ausstrahlen.
Peter Lowes künstlerische Praxis zeigt deutliche Parallelen zu wissenschaftlichen Arbeitsweisen. Tatsächlich kooperiert er häufig mit Mathematikern und Musiktheoretikern, etwa bei Projekten zur Visualisierung von Klangstrukturen. Seine Arbeiten lassen sich als eine Art künstlerische Forschung verstehen – als Experimente mit visuellen Parametern und deren systematischer Variation. Dabei geht es um grundlegende Fragen der Wahrnehmung: Wie verändert sich die Wirkung einer Form durch Rotation? Welche rhythmischen Effekte entstehen durch sequenzielle Anordnung?
Diese methodische Strenge verbindet Peter Lowe mit anderen Vertretern der Systems Group wie Jeffrey Steele oder Malcolm Hughes. Doch im Unterschied zu manchen seiner Kolleginnen und Kollegen bewahren Peter Lowes Arbeiten stets eine gewisse Leichtigkeit und spielerische Qualität. Seine Kompositionen wirken nie steril oder rein theoretisch, sondern zeigen, wie Systematik und Ästhetik sich gegenseitig bereichern können.
Obwohl Peter Lowe nie zum Mainstream der Kunstwelt gehört, erweist sich sein Werk aus heutiger Perspektive als erstaunlich aktuell. Seine algorithmischen Methoden erscheinen wie Vorläufer heutiger digitaler generativer Kunst. Die Prinzipien seiner systematischen Formenvariationen finden sich in modernem Pattern-Design wieder. Und in der aktuellen Wiederentdeckung konstruktiver und systemischer Kunstpositionen gewinnt sein Schaffen neue Aufmerksamkeit.
Mehr zu Peter Lowe in dessen Webauftritt: Peter Lowe artist home page; weitere Informationen zur Biografie und jede Menge Bilder von Werken auf den Webseiten der Waterhouse & Dodd Galerie: Peter Lowe – Works | Waterhouse & Dodd
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