Malcolm Hughes – Kunst als Systemische Forschung

Malcolm Hughes gehört zu den prägenden Figuren der britischen Systems Art, einer Bewegung, die in den sechziger und siebziger Jahren die britische und internationale Kunstwelt nachhaltig beeinflusst. Als Mitinitiator der wegweisenden „Systems“-Ausstellung 1972 in der Whitechapel Gallery entwickelt er eine eigenständige Form geometrischer Abstraktion, die Kunst konsequent als systematische Forschung begreift. Seine präzisen Rasterkompositionen und strukturellen Untersuchungen demonstrieren auf eindrucksvolle Weise, wie streng befolgte Regelwerke zu überraschenden ästhetischen Lösungen führen können.

Malcolm Hughes, Study Paradox P3, c. 1985, Quelle: Working Drawings: Malcolm Hughes, 1985

Malcolm Hughes‘ künstlerische Entwicklung beginnt in den Nachkriegsjahren zunächst unter dem Einfluss des europäischen Konstruktivismus. Nach einer Phase figurativer Malerei wendet er sich in den fünfziger Jahren radikal der Gegenstandlosigkeit in der Kunst zu. Entscheidend wird dabei die Auseinandersetzung mit der Zürcher Konkreten Kunst, insbesondere mit Max Bills Konzept der autonomen Form. Doch während Max Bill harmonische Kompositionen anstrebt, verlagert Malcolm Hughes den Fokus auf die Untersuchung der zugrundeliegenden Systeme selbst – ein Ansatz, der ihn zum Wegbereiter der britischen Systems Art macht.

Ab den sechziger Jahren konzentriert sich Malcolm Hughes dann fast ausschließlich auf die Erforschung serieller Rasterstrukturen. Seine Werke, die auf den ersten Blick an technische Diagramme erinnern mögen, offenbaren bei näherer Betrachtung eine unerwartete ästhetische Tiefe. In Arbeiten wie der Serie „Structuralist Art“ untersucht er systematisch, wie sich einfache Linien durch Wiederholung und subtile Modulation verwandeln, welche optischen Rhythmen durch mathematisch bestimmte Intervalle entstehen und wie Farbe nicht als dekoratives Element, sondern als integraler Bestandteil der Komposition fungieren kann.

Anders als viele seiner Kollegen aus der Systems Group arbeitet Malcolm Hughes kaum mit Rotationen oder Spiegelungen. Sein besonderes Interesse galt vielmehr linearen Progressionen – etwa der Frage, wie sich ein Gitter verändert, wenn die Abstände zwischen den Linien nach einer genau definierten Zahlenfolge variiert werden. Diese methodische Strenge verbindet er mit einer bemerkenswerten Sensibilität für visuelle Wirkungen, was seinen Arbeiten trotz aller Systematik eine unverwechselbare ästhetische Qualität verleiht.

Malcolm Hughes‘ Bedeutung für die britische Kunstszene beschränkt sich nicht auf sein eigenes Werk. Als Mitkurator der – bereits mehrfach angesprochenen – historischen „Systems“-Ausstellung und Autor grundlegender Texte zur regelbasierten Kunst leistet er wichtige theoretische Arbeit. Sein Londoner Atelier entwickelte sich zum Treffpunkt für Gleichgesinnte wie Jeffrey Steele oder Peter Lowe, mit denen er intensive Diskussionen über die Verbindungen zwischen künstlerischen Systemen und naturwissenschaftlichen Prinzipien führt und auch damit der Systemischen Forschung in der Kunst eine bedeutenden Platz gewährleitet.

Mehr zum Künstler und seiner systemischen Forschung: Malcolm Hughes Artist Constructivism Systems Biography

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