Roxy’s – ein Bordell aus den vierziger Jahren

Edward Kienholz’ Werk Roxy’s aus dem Jahre 1961 ist eine der bekanntesten Installationen des Künstlers und ein eindringliches Beispiel für seine gesellschaftskritische Kunst. Es handelt sich um eine begehbare Rauminstallation, die ein Bordell aus den vierziger Jahren rekonstruiert. Mit diesem Werk thematisiert Edward Kienholz nicht nur die Mechanismen der Prostitution, sondern auch die damit verbundene soziale Ausgrenzung, Ausbeutung und moralische Heuchelei.

Edward Kienholz, Roxy’s – ein Bordell aus den vierziger Jahren, 1961

Die Installation zeigt eine heruntergekommene, düstere Umgebung, die mit abgenutzten Möbeln, abblätternden Tapeten und mattem Licht die trostlose Atmosphäre eines Bordells nachbildet. Die Figuren in Roxy’s bestehen aus lebensgroßen, grotesken Puppen, die aus Alltagsgegenständen, Stoffresten und Gips zusammengesetzt wurden. Die Frauen wirken entmenschlicht – ihre Gesichter sind verzerrt oder durch Masken ersetzt, ihre Körper bestehen aus künstlichen Materialien, die ihre Individualität und Würde auslöschen. Sie sind in statischen, oft unbeholfenen Posen arrangiert, was die Mechanisierung und Monotonie ihres Daseins unterstreicht.

Die männlichen Figuren – die Freier – sind ebenso deformiert dargestellt. Statt echter Gesichter haben sie oft groteske Attribute oder sind durch Symbolik auf bestimmte gesellschaftliche Rollen reduziert. Edward Kienholz zeigt damit die Doppelmoral der Gesellschaft: Während Prostitution oft moralisch verurteilt wird, gibt es gleichzeitig eine große Nachfrage nach ihr.

Roxy’s ist nicht nur eine realistische Nachbildung eines Milieus, sondern eine schonungslose Anklage gegen die Bedingungen, unter denen Frauen in der Prostitution arbeiten. Die Installation konfrontiert den Betrachtenden direkt mit diesem sozialen Thema, indem sie ihn in den Raum eintreten lässt und sie so zum stillen Zeugen oder sogar Mitbeteiligten macht. Dadurch wird die übliche Distanz zwischen Kunstwerk und Publikum aufgehoben – ein typisches Merkmal von Edward Kienholz‘ Arbeiten.

Die Wirkung von Roxy’s ist von Anfang an kontrovers. Viele sehen in dem Werk eine provokante Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen, während andere sie als geschmacklos oder schockierend empfinden. Heute gilt Roxy’s als eines der wichtigsten Werke der Installationskunst und als ein frühes Beispiel für Environments, das die Grenzen zwischen Kunst, Realität und sozialer Kritik auf eindrucksvolle Weise verwischt.

Jede Menge Bilder des Bordells bei David Zimmer: Roxys | David Zwirner

Kategorien: ,

Hinterlasse einen Kommentar