Zum Abschluss meiner kleinen Reihe durch die Geschichte der Konkreten Kunst zum heutigen Stand der Konkreten Bewegung: Auch heute noch bereichern zahlreiche Künstlerinnen und Künstler die Konkrete Kunst Bewegung durch innovative Ansätze und Techniken. Sie kombinieren die Prinzipien der Geometrie und Gegenstandlosigkeit mit modernen Medien und sozialen Fragestellungen und tragen so zur Fortführung der Konkreten Kunst bei. Sie schaffen nicht mehr nur minimalistische Skulpturen und Wandobjekte, die klare geometrische Strukturen und eine präzise Farbgebung aufweisen. Durch die Verwendung von unterschiedlichsten Medien, Materialien, Technologien, Lichtquellen und vielem mehr, schaffen sie ein visuelles Erlebnis, das den Raum verändert und den Betrachtenden zur aktiven Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung anregt. Die Grenzen zur Konzeptkunst oder zur Installationskunst verschwimmen – die Grenzen sind nicht mehr wichtig. Die Betrachtenden und deren Auseinandersetzung mit einem „gegenstandslosen“ – nichts abstrahierendem Kunstwerk stehen im Zentrum des Interesses vieler Vertreterinnen und Vertreter der neuen Generation von Konkreten Künstlern. Einige Beispiele:
Carlos Cruz-Diez bleibt auch in den letzten Jahren eine zentrale Figur. Obwohl er 2019 verstirbt, prägen seine Werke weiterhin die Diskussionen um die Konkrete Kunst. Carlos Cruz-Diez ist bekannt für seine Farbinstallationen und seine Beschäftigung mit der Wahrnehmung von Farbe in Bewegung. Insbesondere seine „Chromosaturations“-Installationen, bei denen der Betrachter in farbige Räume eintaucht, schaffen ein immersives Erlebnis, das auf der Wechselwirkung von Farbe und Raum basiert.
Eine weitere wichtige Künstlerin der letzten Jahre ist die Argentinierin Marta Chilindrón, die sich auf kinetische Kunst und geometrische Abstraktion spezialisiert hat. In ihren Arbeiten, die oft großformatige, modulare Skulpturen umfassen, kombiniert sie die Geometrie der Konkreten Kunst mit Bewegung. Ihre Werke stellen die Wechselwirkungen zwischen statischen und dynamischen Formen dar und regen die Betrachtenden an, die Werke zu ‚manipulieren‘– immer neue Skulpturen entstehen zu lassen . Marta Chilindrón nutzt Materialien wie Acryl und Metall, die in ihren Skulpturen eine visuelle Transformation durch Rotation und Interaktion erfahren. Hier Beispiele ihrer Arbeit:
Weiterentwicklungen der Konkreten Kunst finden sich auch in der Installationskunst. Nina Canell beispielsweise, eine schwedische Künstlerin, erweitert die Konkrete Kunst durch ihre Experimente mit Materialität und Natur. In ihren minimalistischen Installationen und Skulpturen – meist ohne Gegenstandsbezug – setzt sie auf die Auseinandersetzung mit der physischen Präsenz von Materialien und schafft Werke, die gleichzeitig formale Strenge und eine subtile taktile Dimension vermitteln.
Rafael Lozano-Hemmer, ein mexikanischer Künstler, hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Konkrete Kunst der letzten Jahre. Durch seine interaktiven Installationen, die digitalen Technologien und kinetische Elemente kombinieren, erschafft er Werke, die auf die Bewegungen des Betrachters reagieren und die Wahrnehmung von Raum und Zeit hinterfragen. Seine Arbeiten, die oft elektronische Systeme und Licht nutzen, überschreiten die traditionellen Grenzen der geometrischen Abstraktion und erweitern die Konkrete Kunst um eine digitale Dimension.
Insgesamt zeigt sich die Konkrete Kunst in den letzten Jahren durch eine spannende Mischung aus technologischen Innovationen und formalen Strukturen. Diese Künstler überwinden die ursprüngliche Bewegung zunehmend mit neuen Perspektiven und erweitern die mathematische, geometrische, zweidimensionale Konkrete Kunst in Malerei und in Skulpturen um interaktive, digitale und soziale Dimensionen.
In den kommenden Tagen mal ein wenig mehr zur Installationskunst, die tatsächlich viel mit der Konkreten Kunst gemein hat.
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