Konkrete Kunst – die 70er Jahre I

In den siebziger Jahren erlebt die Konkrete Kunst eine ziemlich spannende Phase der Weiterentwicklung und Neuinterpretation. Während sie ihre traditionellen Prinzipien der Geometrie, Rationalität und Abstraktion beibehält, öffnet sie sich zunehmend für konzeptuelle Ansätze und experimentiert mit neuen Materialien und Techniken. Diese Dekade ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung und Bewegung, was die Konkrete Kunst in eine zeitgenössische Richtung führt.

Einer der einflussreichsten Künstler der siebziger Jahre in diesem Bereich ist nach wie vor Max Bill. 1953 gründet Max Bill gemeinsam mit Inge Aicher-Scholl und Otl Aicher die Hochschule für Gestaltung in Ulm und wird auch gleich ihr erster Rektor. Die Hochschule erlangt schnell internationale Bedeutung und stellt sich in die Nachfolge des Bauhauses. Unter den Lehrkräften finden sich dann auch eine Reihe von Bauhaus Schülern bzw. Lehrern, wie beispielsweise Johannes Itten oder Josef Albers. In den fünfzehn Jahren ihres Bestehens – die Hochschule für Gestaltung wird nach internen und politischen Streitereien bereits 1968 wieder geschlossen – prägt sie das deutsche und internationale Verständnis von Design nachhaltig. Obwohl Max Bill bereits seit den dreißiger Jahren aktiv ist, entfaltet seine Arbeit nach dem Ende der Hochschule in den Siebzigern eine neue Dynamik und beeinflusst jüngere Künstlergenerationen. Mit seinen streng geometrischen Skulpturen und Gemälden verkörpert er die klassische Idee der Konkreten Kunst, nämlich einer „konkreten Harmonie“, die auf mathematischen Prinzipien und ästhetischer Ausgewogenheit beruht. Seine Werke werden in dieser Zeit international ausgestellt und festigen seine Position als Vordenker der Konkreten Kunst.

Vera Molnar, eine Pionierin der Computerkunst, beginnt in den siebziger Jahren, digitale Algorithmen zu nutzen, um geometrische Formen zu erzeugen und systematisch zu variieren. Sie spielt mit gezielten Unregelmäßigkeiten und Zufällen, um die Grenzen von Ordnung und Kontrolle auszuloten.

Vera Molnar, Losange sur fond noir
(c) Laure JaumouilléLosangesCC BY-SA 3.0

In Deutschland prägte außerdem Klaus Staudt die Szene mit seinen reliefartigen Arbeiten aus transparenten Kunststoffplatten, die durch Licht und Schatten changierende Raumeffekte erzeugten. Seine Werke basieren auf seriellen Anordnungen und minimalistischem Design und laden den Betrachter zu einer aktiven visuellen Erkundung ein.

Insgesamt öffnete sich die Konkrete Kunst in den 1970er Jahren neuen konzeptuellen und experimentellen Ansätzen. Sie behält ihre geometrische Strenge bei, integrierte jedoch Bewegung, Zufall und digitale Techniken, was ihre ästhetische und konzeptionelle Relevanz bis heute sichert. Übermorgen mehr zu den 70ern!

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