Die russische Künstlerin Anna Andreeva wird derzeit ebenfalls in der Ausstellung im Wilhelm Hack Museum als Pionierin der geometrischen Abstraktion gewürdigt.
Anna Alexejewna Andreeva ist eine der bedeutendsten russische Textildesignerin und Künstlerin der renommierten Seidenfabrik „Rote Rose“ in Moskau, in der sie von 1946 bis 1984 tätig ist. Nach der Enteignung ihres Elternhauses durch die Rote Armee zieht Anna Andreeva im Alter von neun Jahren nach Moskau, wo sie zunächst bei Verwandten lebt. Sie besucht die Rabfak-Schule für Arbeiter und studiert anschließend am Moskauer Textilinstitut unter der Leitung von Wladimir Faworski und Igor Grabar – beides namhafte Designer und Künstler.
In ihrer Karriere entwirft Anna Andreeva Hunderte von Designs für Schals und Stoffe, die oft geometrische und abstrakte Muster aufwiesen. Ihre Arbeiten finden sowohl in der Sowjetunion als auch international hohe Anerkennung. Einige ihrer bekanntesten Entwürfe sind „Würfel“, „Olympiade“, „Städtisches Raster“, „Sowjetischer Sport“ und „Sowjetischer Kosmos“, die in den sechziger und siebziger Jahren populär sind. Die Arbeiten werden auf internationalen Textilausstellungen präsentiert und von der sowjetischen Regierung an französische und italienische Textilindustrien verkauft, die ihre Designs in der westlichen Welt bekannt machen. Ihre Entwürfe werden auch als diplomatische Geschenke verwendet; so wird ihr Design „Kosmos“, das dem ersten Menschen im Weltraum, Juri Gagarin, gewidmet ist, 1961 während Nikita Chruschtschows Besuch im Vereinigten Königreich Königin Elisabeth II. überreicht.

Anna Andreeva hat mehrere Schlüsselpositionen im Künstlerverband der UdSSR inne, dem sie 1946 beitritt. Von 1960 bis 1970 leitet sie dessen Sektion für Textil- und Dekorationskunst. Sie ist darüber hinaus auch für die Einrichtung von Netzwerken für die Textilindustrie und die Seidenproduktion innerhalb des sozialistischen Blocks verantwortlich und beaufsichtigte künstlerische Komitees in Seidenfabriken in Zentralasien, Georgien, Armenien und im Ural.
Sie knüpft mit ihren Designs an die Traditionen der russischen Avantgarde (z. B. Konstruktivismus und Suprematismus) an, die Künstler wie Kasimir Malewitsch und Ljubow Popowa geprägt haben. Ihre Designs übernehmen klare Linien, symmetrische Kompositionen und reduzierte Farbpaletten, um moderne Themen wie Urbanisierung, Kosmos und Technologie widerzuspiegeln.
Nach ihrem Tod im Jahr 2008 wird Anna Andreevas privates Archiv 2018 von ihrer Familie geöffnet. Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York erwirbt daraufhin eine Reihe ihrer Entwürfe, was als Teil eines Bestrebens gesehen wird, die Rolle von Frauen und nicht-westlichen Künstlern in der Entwicklung der modernen Kunst hervorzuheben.
Einen lesenswerte Einführung in das Werk der russischen Designerin und Künstlerin findet sich im monopol-magazin: Sowjetische Designerin Anna Andreeva: Die Quelle der „Soft Power“
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