Franciska Clausen: LINJE und Linien

Eine weitere Künstlerin, die derzeit als Pionierin der geometrischen Abstraktion in der Ausstellung „Wir werden bis zur Sonne gehen“ im Wilhelm Hack Museum zu sehen ist, ist Franciska Clausen. Die in Apenrade geborene, deutsch-dänische Künstlerin, leistet einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der geometrischen Abstraktion in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und wird daher zurecht als Pionierin gewürdigt.

Franciska Clausen, cirkler og vertikaler, 1930, SMK, National Gallery of Denmark, Foto: Jakob Skou-Hansen © VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Franciska Clausen studiert zunächst in Hamburg und München, bevor sie sich Anfang der zwanziger Jahre in Berlin und später Paris und Kopenhagen niederlässt. In Kopenhagen lernt sie den dänischen Maler Harald Giersing kennen, mit dem sie eine enge künstlerische Zusammenarbeit pflegt. Gemeinsam mit anderen Künstlern gründet sie die Gruppe LINJE (Linie), die sich der abstrakten Kunst, insbesondere der geometrischen Abstraktion widmet. Die „Linie“ ist dabei ein zentrales Gestaltungselement in ihren Werken.

1922 kommt sie nach Berlin, wo sie über die Galerie Der Sturm László Moholy-Nagy kennenlernt, unter dessen Einfluss sie ihre ersten abstrakten Collagen herstellt. Als László Moholy-Nagy an das Bauhaus wechselt, besucht sie in Berlin das Atelier des russischen Bildhauers Alexander Archipenko. Mitte der zwanziger Jahre in Paris wird sie eine erste Schülerin von Fernand Légers Malerschule; mit diesem ist sie später eng befreundet. In Paris konnte sie ohne Atelier, auf wechselnde Hotelzimmer angewiesen, zumeist nur kleinformatige Gouachen, Aquarelle und Collagen anfertigen. Sie stellt mehrfach im Salon des Société des Artistes Indépendants aus und hält sich bis 1933 jährlich in Paris auf. Von 1927 bis 1928 stellt sie auch in New York, Chicago und Philadelphia aus und wird endgültig international bekannt. ; in dieser Zeit nähert sie sich dem Surrealismus und 1929 dann der konkreten Abstraktion.

Das Werk von Franciska Clausens ist geprägt von einer strengen Reduktion auf das Wesentliche. Mitte der zwanziger Jahre noch wenig geometrisch, oft eher surrealistische, erinnern die konkreten Werke Ende der zwanziger Jahre an den Neoplastizismus eines Piet Mondrian und Georges Vantongerloo oder die Konkreten Werke von Theo van Doesburg.

1930 stellt sie mit der Gruppe Cercle et Carré in Paris aus. Ihre abstrakten Kompositionen sind oft auf wenige geometrische Formen beschränkt, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Sehr bunte Kompositionen stehen Kompositionen gegenüber , bei denen sie oft nur Schwarz, Weiß und Grau verwendet, um eine monochrome Ästhetik zu schaffen. Ihre Arbeiten sind von einer klaren, fast mathematischen Präzision gekennzeichnet. Und – ganz im Sinne der Gruppe LINJE – sind es oft feinen Linien, die die einzelnen Formen in ihren Werken oft voneinander abgrenzen und gleichzeitig eine subtile Dynamik erzeugen. Diese Linien können gerade oder gekrümmt sein, dicht gepackt oder weitläufig verteilt. Sie verleihen den Kompositionen eine Leichtigkeit und Transparenz, die trotz ihrer strengen geometrischen Struktur eine gewisse Lebendigkeit vermittelt.

Franciska Clausen gehört zu den Künstlerinnen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren maßgeblich zur Entwicklung der geometrischen Abstraktion beitragen. Ihre Arbeiten stehen in der Tradition von Künstlern wie Piet Mondrian und Theo van Doesburg. Im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen, die sich oft auf die rein malerische Gestaltung konzentrierten, beschäftigt sie sich aber auch intensiv mit der angewandten Kunst. Sie entwirft Tapeten, Stoffe und Gebrauchsgegenstände, in denen sie ihre geometrischen Prinzipien umsetzt.

Ein lesenswerter Beitrag zum 125. Geburtstag der Künstlerin 2024 ist in der Zeitung Der Nordschleswiger erschienen: Franciska Clausen: Die wirkliche Anerkennung kam erst nach ihrem Tod. Eine Reihe ihrer Werke finden sich bei WikiArt – Franciska Clausen und hier noch der Link zum kurzen Wikipedia Eintrag über Franciska Clausen, dem eine Abschnitt dieser Einführung entnommen ist.

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