Mit Raoul de Keyser möchte ich heute einen letzten Künstler in meiner Reihe belgischer Kunstschaffender vorstellen. Auch er ist nicht unbedingt ein Konkreter Künstler – seine Werke werden meist der provisorischen Kunst zugerechnet. Raoul De Keyser ist vielmehr für seine subtilen, reduzierten und poetischen Gemälde bekannt , die irgendwie zwischen Abstraktion und Figuration beschrieben werden können und eine intime, persönliche Perspektive mit universellen Themen vereinen.
Raoul De Keyser, in Flandern, geboren macht zunächst eine Ausbildung an der Kunstschule in Deinze, studiert anschließend angewandte Kunst und arbeitet anschließend als Journalist und Kunstkritiker. Die Erfahrungen als Journalist und Kunstkritiker prägen seine späteren theoretischen Überlegungen zur Kunst und spiegeln sich in der Reflexivität, die in seinen Werken deutlich wird. Er beginnt seine künstlerische Karriere erst in den späten fünfziger Jahren und wird dabei von der europäischen Avantgarde sowie von der lokalen Kunstszene beeinflusst, insbesondere von der Nieuwe Visie-Bewegung in Belgien. Die Nieuwe Visie Bewegung – zu deutsch meist mit Neue Figuration benannt – steht der Pop-Art nahe.
Raoul de Keysers frühe Werke aus den sechziger-Jahren zeigen diesen Bezug zur Pop-Art und zum Abstrakten Expressionismus, mit einem Fokus auf Alltagsgegenstände und einfache Formen. Seine Nähe zu minimalistisch gehaltenen Motiven und alltäglichen Themen wird von seiner Umgebung geprägt, wie zum Beispiel den Sportplätzen, Flüssen und Gärten in seiner Heimatstadt.
Ein Wendepunkt in seiner Karriere ist seine Arbeit mit der Avantgarde-Gruppe Nieuwe Vlaamse School, die einen alternativen Ansatz zur konventionellen Kunst der Nachkriegszeit verfolgt. Seine Arbeiten beginnen, sich zunehmend auf die Beziehung zwischen Form, Farbe und Raum zu konzentrieren. In der Folge – ab den siebziger Jahren – entwickelt Raoul De Keyser seinen unverkennbaren Stil: kleine Leinwände, auf denen reduzierte Formen und Farbfelder in einer scheinbar spontanen, aber äußerst präzisen Weise angeordnet sind. Seine Werke strahlen eine meditative Ruhe aus und zeigen oft eine spielerische Auseinandersetzung mit Raum und Material.
Trotz ihrer Einfachheit sind seine Bilder tiefgründig und voller feiner Nuancen. Er experimentiert mit Texturen, Farbtönen und Perspektiven, wobei die Unvollkommenheit und das Unvollständige oft eine zentrale Rolle spielten. Sein Spätwerk ist geprägt von einer zunehmenden Reduktion und einer introspektiven Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz. Raoul de Keyser selbst sagt einmal, dass er versuche, „etwas Sichtbares aus dem Unscheinbaren zu machen“.
Mehr Informationen und Fotos einiger seiner Werke auf den Webseiten der David Zwirner Galerie: : Raoul De Keyser – Artworks & Biography
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