Achille Castiglioni: „Raffiniert und einfach – das gefällt mir!“

Achille Castiglioni ist ein weiterer wichtiger italienischer Designer der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Er wird vor allem durch seine innovativen Leuchten berühmt, die das Beleuchtungsdesign seiner Zeit stark beeinflussen. Seine Entwürfe sind spielerisch, nutzen oft Zweckentfremdungen und werden schnell zu wichtigen Höhepunkten der modernen Designgeschichte. Achille Castiglioni strebt immer nach einfachen Formen; für ihn ist Funktionalität wichtiger als Aussehen.

Mit 26 Jahren tritt der in Mailand geborene Achille Castiglioni in das Architekturbüro seiner Brüder Livio und Pier Giacomo ein. Die drei Brüder arbeiten in unterschiedlichen Bereichen zusammen: Architektur ebenso, wie Ausstellungs- und Objektdesign. Anfang der fünfziger Jahre zieht sich Livio zurück, und Achille arbeitet fortan allein mit seinem Bruder Pier Giacomos. In der sehr produktiven Zusammenarbeit der beiden Brüder entstehen viele innovative Entwürfe, so stellen sie 1957 ihren Entwurf für einen Hocker in Como aus: Der Hocker Mezzadro besteht nur aus einem Traktorsitz auf einem Rahmen.

Achille Castiglioni, Mezzadro
Holger.EllgaardMezzadro 1957CC BY 3.0

Der Lierna ist der wohl bekannteste Stuhl der beiden Designer. Er gilt als eines der großen Meisterwerke des italienischen Designs. Er wird1958 entworfen und nach der Ortschaft Lierna am Comer See benannt. Viele weitere Möbel- und Besteckentwürfe folgen. Ende der sechziger Jahre verstirbt Pier Giacomo und Achille Castiglioni führt das Büro allein weiter.

Achille Castiglioni, Lierna, (c) als gemeinfrei gekennzeichnet

Besonders erfolgreich sind die Brüder mit ihren Lampen. Sie setzen auch hier auf innovative Zweckentfremdungen und minimalistisches Design. Eine einfache Straßenlaterne wird zur Stehleuchte, und ein Autoscheinwerfer dient als Leuchtenkopf für eine Deckenleuchte. Diese Nutzung von Alltagsgegenständen belebt den Begriff des „Readymade“, den Marcel Duchamp 1912 erfunden hat. Viele ihrer Entwürfe sind heute bekannte Designklassiker und in den wichtigsten Designmuseen der Welt zu finden. Dazu gehören die Leuchten Taraxcum, Splügen Bräu, Arco, die Anfang der sechziger Jahre entwickelt werden oder die Tisch- und Pendelleuchten Lampadina und Noce sowie die Pendelleuchte Frisbi, die in den siebziger Jahren entstehen. Die Leuchte Brera – ein Entwurf der neunziger Jahre – hat die Form eines Eis und kann als Wand-, Steh-, Tisch- oder Deckenleuchte verwendet werden. (hier eine Übersicht der Leuchten der Brüder: Leuchten | Büro Pier Giacomo Castiglioni).

Jede Menge mehr zur Biografie und Werk auf den Webseiten der Casati Gallerie: https://www.casatigallery.com/designers/achille-castiglioni/, mehr zum Lierna Stuhl, zur Familie und zum gemeinsamen Büro auf den italienischsprachigen Seiten des noch heute bestehenden Unternehmens der Brüder: Sedia LIERNA | Pier Giacomo Castiglioni

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