Orhan Pamuk in München

Eine ganz besondere Ausstellung im Lenbachhaus in München: „Orhan Pamuk. Der Trost der Dinge“. Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober zu sehen

Orhan Pamuk – der erste türkische Schriftsteller, der den Literaturnobelpreis erhielt – präsentiert im Lenbachhaus sein vielseitiges kreatives Schaffen als Autor, Fotograf, Zeichner, Kurator, Museumsgründer und bedeutende politische Stimme unserer Gegenwart.

Orhan Pamuk erzählt seine Geschichten anhand von Objekten. Ausgehend von seinem Istanbuler „Museum der Unschuld“ mit Alltagsgegenständen zum gleichnamigen Roman überführt er Literatur in den Raum des Museums und schafft begehbare Fiktionen. Pamuk zeigt in seinem Museum die Liebesgeschichte des Fabrikantensohns Kemal und seiner schönen Cousine Füsun. Als ihre Beziehung in einer Tragödie endet, richtet Kemal ein Museum ein, in dem Tausende von Gegenständen ausgestellt sind, die ihn an Füsun erinnern. Die Objekte spiegeln zugleich das tägliche Leben in Istanbul zwischen den 1950er und den 2000er Jahren wider – und damit auch Zeitgeschehen, Geschlechterrollen oder das zeitgenössische Kino. In dreidimensionalen Collagen, die wie Wunderkammern eine eigene Welt erschaffen, entfaltet die Macht der Dinge eine poetische Kraft. In München sind 40 Kabinette aus dem Istanbuler Museum zu sehen, die Orhan Pamuk für diese Wanderausstellung nachgestaltet hat.

Eigens für die Ausstellung entstehen zusätzlich neue Werke, die sich in Auseinandersetzung mit der Sammlung des Lenbachhauses und Künstlern wie Paul Klee und Alfred Kubin mit weiteren Romanen Orhan Pamuks verflechten. Indem er über die besondere Art von Trost nachdenkt, die uns Dinge spenden können, greift er Themen auf, die ihn seit vielen Jahren beschäftigen: kultureller Wandel, „Okzidentalismus“ und „Orientalismus“, Fiktion und Erinnerung und die Rolle von Museen.

Orhan Pamuks bisher weitgehend unbekannte Seite als bildender Künstler wird in weiteren Werkserien teils erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Auswahl seiner Gemälde, Zeichnungen, Skizzenbücher und Notizbücher sowie Fotografien gewährt einen sehr persönlichen Einblick in sein vielschichtiges Œuvre, in dem er sich auf immer neue Weise seiner Heimatstadt Istanbul, ihrer bewegten Historie vom Osmanischen Reich bis zur Republik Türkei sowie den Menschen, die in ihr leben, nähert. In seinen Romanen wie auch seinem konzeptuellen und bildnerischen Werk vermittelt sich dabei ein Seelenzustand der Melancholie oder der kollektiven Stimmung des „Hüzün“ und inspiriert zur Diskussion über das Aufeinandertreffen und Verschmelzen von Kulturen. Orhan Pamuk erschafft daraus ein Gesamtkunstwerk: „Ich schreibe, weil ich die Wirklichkeit nur ertrage, wenn ich sie verändern kann.“

Der Film zur Ausstellung: Orhan Pamuk. Der Trost der Dinge

Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Orhan Pamuk

Viel Spaß in München!

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