Mohamed Melehi bringt mich noch einmal zurück zur Biennale 2024 in Venedig, über die ich in den vergangenen Wochen einige Beiträge geschrieben habe. Seine Werke sind dort – erstmals bei eine Biennale im Rahmen der Ausstellung Abstraction des Nucelo Storico zu sehen.
Mohamed Melehi ist 1956 einer der Mitbegründer der Casablanca Art School, und er ist einer der Hauptvertreter der postkolonialen, modernen Kunstbewegung der sechziger Jahre in Marokko.
In Marokko geboren, studiert Mohamed Melehi Kunst an verschiedenen Universitäten in Spanien Frankreich und den USA und ist zeitlebens immer wieder auch als Lehrer an verschiedenen Instituten und Universitäten tätig. Mitte der sechziger Jahre auf für einige Zeit eben an der Casablanca Art School.
Stilisiert gemalte, farbige Wellen machen Mohamed Melehi weithin bekannt. Er integriert diese Wellen in eine Vielzahl seiner Werke. Manchmal nehmen sie die Form menschlicher Körperteile an oder schießen wie Magma nach oben, manchmal sind sie völlig abstrahiert und dekonstruiert. Ursprünglich sind diese Wellen jedoch Mohamed Melehis Interpretation flachgewebter Textilien, die als Glaoua-Teppiche bekannt sind, mit einer breiten Palette von Textiltechniken hergestellt werden und in der Stammestradition der Amazigh – der Berber Nordafrikas – üblich sind.
Bereits 1970 beginnt er, lackierten Zellulose-Autolack zu verwenden, um matte und leuchtende Farben auf Holzoberflächen aufzutragen. Er strebt nach Flächigkeit in der Komposition und einer subtilen Abwesenheit einer lesbaren Handschrift des Künstlers und hinterläßt daher keine sichtbaren Pinselstriche in seinen Werken. Der bewusste Umgang des Künstlers mit Kontinuität und Diskontinuität in seinem Gemälde verwickelt den Betrachter in ein spielerisches Erlebnis: Er kann dem lebhaften Fluss der Welle von einer Seite zur anderen folgen oder das gesamte Bild betrachten und seine lebhafte Bewegung und optische Wonne genießen.
Vorgestern habe ich Bert Flint hier vorgestellt: Bert Flint und Mohamed Melehi kennen sich schon, bevor beide zeitgleich an der Casablanca Art School lehren; sie haben durch Mohamed Melehis Gemälde mit Wellenmustern und Bert Flints Studien der Amazigh-Ornamentik eine gemeinsame künstlerische Ebene gefunden. Mohamed Melehi erstellt ein fotografisches Inventar von Bert Flints Forschungen im Souss-Gebiet, das auch Aufnahmen des Schmucks der Region und der dortigen Deckenmalereien in Moscheen und Mausoleen von Heiligen enthält..
Quelle dieser Einführung: Biennale Arte 2024 | Mohamed Melehi und Text zur Einführung in die derzeit laufende Ausstellung Casablanca Art School in der Schirn Frankfurt
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