Bert Flint – Afro-Berberismus

Nicht wirklich Künstler, aber ein einflussreicher Sammler und Anthropologe, der die Geschicke der Casablaca Art School nachhaltig beeinflusst: Bert Flint. 1931 in den Niederlanden geboren, studiert er an der Universität Utrecht spanische Sprache und Literatur. Ein Besuch der Alhambra von Granada weckt in ihm ein großes Interesse an der Geschichte des muslimischen Spaniens. Während seiner ersten Reise nach Marokko in den fünfziger Jahren stellt er fest, dass die Architektur und Innenausstattung vieler Privathäuser in den antiken Städten dieses Landes mit derselben künstlerischen Tradition verbunden sind, die die Kunst der Alhambra inspirierte. Noch überraschender für ihn ist die Feststellung, dass die Bewohner dieser Häuser ein Leben führen, in dem die tägliche Suche nach Schönheit in der Präsentation und Eleganz in der Geste der eigentliche Sinn der Existenz zu sein scheint.

Nach seiner Übersiedlung nach Marokko lehrt Bert Flint ab Mitte der sechziger Jahre an der Casablanca Art School und ist der Experte schlechthin für die sogenannte „afro-berberische“ Kunst, die er lebenslang geduldig erforscht, dokumentiert und zusammenbringt, insbesondere durch das Musée Tiksiwin, das er 1996 in Marrakesch gründete.

Musée Tiksiwin, Marakesch

Im Mittelpunkt seiner Forschungen, die besonders intensiv im Hohen Atlas und im Antiatlasgebirge stattfinden, versteht es Bert Flint, die grundlegende Rolle der Sahara-Bevölkerung im multikulturellen Erbe Marokkos aufzuzeigen. Diese aus der Sahara stammenden Berber – die Ureinwohner Nordafrikas – stellen für ihn die wahren Träger des Afro-Berberismus dar und zeigen, dass die Zivilisation nicht nur von städtischen Zentren und Handelszentren hervorgebracht wird, sondern auch von der Wüste und ihren nomadischen Bevölkerungen. Seine Forschungen plädieren daher dafür, die tiefgreifenden kulturellen Transfers von einer Seite zur anderen einer subsaharischen Grenze nachzuvollziehen, die sich selbst auflöst, da diese Austausche weit über den Kontext nationaler oder kolonialer Grenzen hinausgehen.

Durch seine Studien werden eine Vielzahl von Studierenden dazu angeregt, die (Volks-)Kunst der Berber in ihre eigenen Werke zu benehmen und somit künstlerische Traditionen der Berber in die Moderne Kunst Marokkos zu integrieren.

Mehr zu Bert Flint auf den Webseiten des Musée Tiksiwin und hier noch ein Link zu einem lesenswerten Artikel über Bert Flint in der Neuen Zürcher Zeitung: Ein Leben für die Berberkultur | NZZ

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