Die Casablanca Art School: Souffles und Protestkünstler

Mitten im Herzen von Casablanca, umgeben von einem idyllischen Garten, steht die Casablanca Art School. Das schicke kleine Gebäude beherbergt diese Institution, die ursprünglich unter dem französischen Protektorat gegründet wurde. Damals ist die Schule ein exklusiver Ort für eine kleine Gruppe von Europäern. Doch nach der Unabhängigkeit Marokkos ändern sich die Dinge grundlegend.

1962 markiert einen Wendepunkt: Farid Belkahia, den ich euch in den vergangenen Tagen bereits vorgestellt habe, wird zum Direktor ernannt. Nach einer intensiven Zeit in Prag, einem kosmopolitischen Zentrum, das den modernen Ideen des Bauhauses offen gegenübersteht, kehrt er nach Marokko zurück. Die prägenden Erlebnisse der Zeit in Prag hinterlassen aber tiefe Spuren in ihm. Farid Belkahia erinnert sich später daran, wie ihn die Werke von Paul Klee in Prag „völlig erschüttert“ haben. Ähnlich berichtet Mohamed Chabâa von seiner Entdeckung von Kandinskys „Lyrik“, die ihm neue Wege in der abstrakten Malerei eröffnet.

Diese persönlichen Geschichten fanden ihren Weg in die marokkanische Zeitschrift Souffles. 1967 veröffentlicht, wird Souffles von einer Gruppe Dichter und Künstler gegründet und avanciert schnell zu einem wichtigen kulturellen, intellektuellen und ideologischen Sprachrohr in Marokko. Die enge Zusammenarbeit zwischen Literatur und bildender Kunst, zwei bis dahin weitgehend getrennten Bereichen, führt zu einer Vielzahl von illustrierten Gedichtausgaben und kreativen Produktionen.

Zeitschrift Souffles

Als neuer Direktor öffnet Farid Belkahia die Tore der Kunstschule für marokkanische Studenten. Seine Vision war es, die Schule aus ihren kolonialen Fesseln zu befreien und sowohl in Praxis als auch im Geist zu erneuern. Er wusste, dass dazu auch ein neues Lehrpersonal notwendig war. So trifft er 1964 Mohamed Melehi, der gerade aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist. Mohamed Melehi wird eingeladen, die Malereiabteilung der CAsablanca Art School zu leiten. Ein Jahr später stößt dann Mohamed Chabâa zum Team, um Grafik zu unterrichten. Gemeinsam organisieren diese drei Maler die erste völlig unabhängige Ausstellung der Gruppe in Rabat. Die Presse nannte sie „artistes contestataires“ – Protestkünstler – und spricht von einer „neuen Ästhetik“ in der zeitgenössischen, marokkanischen Kunst. Diese Gruppe stellt die gängige Vorstellung von marokkanischer Kunst infrage – bis dahin gilt diese oft als malerisch, spontan und naiv. Die Künstler der Casablanca Art School bringen – wie schon mehrfach geschrieben – frischen Wind in die Kunst und wenden sich neuen Forschungsgebieten zu, sowohl in der abstrakten als auch in der figurativen Kunst. Sie sind Pioniere, die eine neue Ära der marokkanischen Kunst einleiten und damit die kulturelle Landschaft des Landes nachhaltig verändern.

Quelle dieser Einführung in die Casablanca Art School: The Bauhaus and Morocco – Articles – bauhaus imaginista (bauhaus-imaginista.org)

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