Heute mal ganz weit weg von der Konkreten Kunst: „Venezia 500<< Die sanfte Revolution in der venezianischen Malerei“ so der Titel einer bemerkenswerten Ausstellung in der Alten Pinakothek in München, die mich wirklich begeistert hat. Die Ausstellung ist bis zum 4. Februar nächsten Jahres zu sehen.

Die Ausstellung in der Pinakothek widmet sich den bahnbrechenden Neuerungen der venezianischen Malerei, die bis weit in die europäische Moderne nachwirkten. Sie vereint 15 Meisterwerke der Münchner Sammlung mit rund 70 internationalen Leihgaben und konzentriert sich dabei auf Porträts und Landschaften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Denn hier treten die Charakteristika und Errungenschaften der in Venedig florierenden Malkunst besonders deutlich hervor. Kriege und Epidemien sowie auch die Entdeckung neuer Seewege bedrohen zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Wohlstand der See- und Handelsmacht Venedig. Doch auf dem Fundament der vielseitigen kulturellen Traditionen der Stadt und dank deren humanistischer Prägung setzt sich ihre künstlerische Blüte fort. In enger Verbundenheit mit ihren Förderern schaffen die führenden Kunstschaffenden subtile Darstellungen individueller Persönlichkeiten, die zwischen Real- und Idealbildnis, zwischen repräsentativem und lyrischem Porträt changieren. Ebenso erfolgreich und im Wettstreit mit der Poesie malen sie atmosphärische Landschaftsansichten, die sich bald als eigenständiges Bildthema etablieren.
Um 1500 ist das autonome Porträt, das den einzelnen Menschen zum alleinigen Gegenstand der Darstellung macht, fest in der venezianischen Kunst verankert und wird vor allem nach nordalpinen Vorbildern weiterentwickelt. Zahlreiche männliche Porträts aus dem Zeitraum 1505 bis 1530 dokumentieren den Wandel vom vordergründigen Abbild hin zu einer stärker psychologisch motivierten Erfassung des Menschen. Vor allem Tizian richtete seinen Blick nicht nur auf den gesellschaftlichen Status, sondern auf den Charakter seines Gegenübers. Als Inbegriff des venezianischen Frauenporträts gelten die rätselhaften belle donne, die dem petrarkistischen Schönheitsideal entsprechen, zugleich aber Individualität und Lebensnähe zeigen. Die daraus resultierende Mehrdeutigkeit trägt zu ihrem besonderen Reiz bei.
In weiten imaginären Landschaftsräumen präsentieren Giovanni Bellini und die seinem Vorbild folgenden Kunstschaffenden die Figuren ihrer Andachtsbilder – inspiriert von nordalpiner Tafelmalerei und Druckgraphik. Die Ausblicke in die Natur sind dabei mehr als schmückender Hintergrund: Sie transportieren Bedeutungen und Stimmungen, regen zum assoziativen Schauen und kontemplativen Nachsinnen an. Neben den Andachtsbildern boten allegorische oder mythologische Darstellungen Gelegenheit, Landschaftsmotive in Szene zu setzen. Poetische von Hirten und Nymphen bewohnte Idyllen, die im Medium der Zeichnung und Druckgraphik weite Verbreitung fanden, erklären sich aus der in Venedig kultivierten Sehnsucht nach arkadischen Gegenwelten.
Die humanistischen Zirkel, in denen mit Giorgione, Tizian und Sebastiano del Piombo auch die Protagonisten der neuen Landschaftsmalerei verkehren, pflegen ein intensives Interesse an der antiken wie zeitgenössischen Hirtendichtung. Mit ihren innovativen Bildfindungen entsprechen die in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts tätigen Kunstschaffenden den Wünschen ihrer Auftraggeber – deren Sehnsucht nach Muße und Schönheit, nach Liebe und Erkenntnis. Die sanfte Revolution der venezianischen Malerei macht das Selbstverständnis der damaligen kulturellen Eliten bis heute gegenwärtig. Ihre Schöpfungen laden zu einer Zeitreise ein und rufen Themen auf, die von ungebrochener Relevanz sind.
Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung in der Alten Pinakothek: Venezia 500<<
Viel Spaß in München!
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