Hadi Tabatabai und die Linie als leerer Raum

Zum Abschluss meiner kleinen Reihe von kalifornischen, konkreten Künstlern noch zu einem gebürtigen Iraner: Hadi Tabatabai. 1964 in Mashhad, Iran, geboren, wandert er Ende der siebziger Jahre mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus und lässt sich in Kalifornien nieder. Er studiert zunächst in Fresno Industrietechnologie und macht anschließend einen Master in Malerei in San Francisco.

Hadi Tabatabais künstlerische Praxis entwickelt sich aus der Erforschung der ästhetischen Möglichkeiten, die Reihungen, Geometrie und Präzision bieten. Seine Werke sind oft an der Grenze zwischen Malerei und Skulptur angesiedelt. Aus Schnüren, Kunststoffen, Hölzern und verschiedenen Trägern konzipierten Werke greifen die formale Ästhetik des amerikanischen Minimalismus auf und weisen eine haptische Qualität auf, die in scharfkantiger Abstraktion oft fehlt.

Mit den sorgfältig abgestimmten Komposition jedes Werks lädt Hadi Tabatabai den Betrachtenden ein, über die Realitätsebenen nachzudenken, aus denen diese Werke stammen. Die von Künstlerhand gefertigten Objekte scheinen maschinell, aber nicht mechanisch hergestellt zu sein. Es ist dieser in jedem Werk verborgene Widerspruch, der auf die eigene Erfahrung des Künstlers verweist.

Hadi Tabatabai beschreibt seine Kunst selbst wie folgt: „Mein Kunstwerk ist eine Kombination aus Zeichnung, Malerei und Skulptur, die einen Ort beschreibt, der sowohl eine Idee als auch ein physischer Ort ist. Die Kompositionen verkörpern Übergänge; das heißt, sie erzeugen eine ständige Erfahrung von Empfindungen, die am Rand der Wahrnehmung existieren. Um diesen Zustand herbeizuführen, habe ich alle möglichen Ablenkungen entfernt. Erzählung und Figuration, ja sogar Figur und Grund wurden aus den zarten Kombinationen von Quadraten, Rechtecken und fließenden Linien herausgeschnitten.

Ich arbeite neben Farbe auch mit verschiedenen Materialien wie Schiefer, Holz, Faden und Wachs, um ein „Gemälde“ mit skulpturaler, dreidimensionaler Qualität zu schaffen. In den letzten 15 Jahren habe ich meine Aufmerksamkeit einem sehr kleinen Bereich gewidmet – einem Bereich, der die Körperlichkeit einer Linie umfasst und als Übergangsraum zwischen zwei Einheiten fungiert. Ich betrachte die „Linie“ als leeren Raum ohne Agenda oder Loyalität; es ist weder hier noch dort. Ich habe festgestellt, dass man durch die Aufmerksamkeit auf diesen winzigen, subtilen und dennoch detaillierten Raum gezwungen ist, sich von der Außenwelt abzuwenden und sich nach innen auf den eigenen Innenraum zu konzentrieren.“

Im folgende Video – einer Aufnahme eines Vortrags von Hadi Tabatabai – erklärt er sein Verständnis von Kunst anhand einige seiner Werke:

Jede Menge weitere Informationen zu Hadi Tabatabai und seiner Kunst auf dessen Webseiten: http://www.haditabatabai.com/ und hier noch der Link zu einem englischsprachigen Interview mit dem Künstler Hadi Tabatabai

Quelle des obigen Zitates (in eigener Übersetzung): Geoform – Hadi Tabatabai, online unter: https://geoform.net/artists/hadi-tabatabai/

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