Salvatore Emblema in Zürich

Das Museum Haus Konstruktiv in Zürich zeigt bis zum 10. September die Werke des 2006 verstorbenen, italienischen Künstlers Salvatore Emblema. Fern der italienischen Nachkriegsavantgarde im Norden des Landes schafft der in Neapel geborene Salvatore Emblema ein eigenständiges und archaisch anmutendes Werk, das sich keinem Stil zuordnen lässt und doch klare Bezüge zu den Kunstströmungen seiner Zeit aufweist.

Nach Abbruch seines Kunststudiums in Neapel und Reisen innerhalb Europas lebt Salvatore Emblema Anfang der fünfziger Jahre in Rom. Dort macht er Bekanntschaft mit dem französischen Maler Jean Dubuffet, der unter anderem mit Erde und Kies Bilder fertigt. Für Salvatore Emblema, der die bisher letzte große Eruption des Vesuv erlebte hatte, muss die Verwendung von Naturmaterialien eine Offenbarung gewesen sein. 1944 war seine Heimatort Terzigno von Vulkanasche eingedeckt worden, weite Teile der Gemeinde wurden zerstört. Diese existenzielle Erfahrung führt Salvatore Emblema zum einen die Verbindung von Landschaft und Identität vor Augen und zum anderen die geologischen Gegebenheiten seiner nächsten Umgebung. Sie wird später prägend für die Materialwahl in seiner Malerei.

Salvatore Emblema, Ohne Titel, 1981
Eingefärbte Erde auf Jute
Courtesy Museo Emblema – Salvatore Emblema Estate

Anfänglich malt er aus Geldnot auf Jute, doch schon bald fasziniert ihn die ungleichmäßige, durchscheinende Struktur des Materials. Dieses bemalt er nicht mit chemischen Farben, sondern mit eigens zusammengestellten Erdpigmenten aus vulkanischer Asche, versteinerter Lava und oxidierten Metallen. 1957 zieht Salvatore Emblema für ein Jahr nach New York. Die dortige Begegnung mit Mark Rothko und dessen Color Field Paintings prägt sein Schaffen in den Folgejahren ebenso, wie der Besuch des Metropolitan Museum, wo ihn die Leuchtkraft römischer Fresken überwältigt. Salvatore Emblema berichtet später, erst aus der Ferne die Qualitäten und Möglichkeiten seiner Herkunft erkannt zu haben. Der Technik der Pompejaner, gemahlene Erde mit einem transparenten organischen Bindemittel zu vermengen, bedient sich Salvatore Emblema nach seiner Rückkehr aus den USA. Seiner Herkunft geht er wortwörtlich auf den Grund, indem er auch unbehandelte Lavasteine auf großformatigen Tafeln anbringt.

Die Bildöffnung ist in der italienischen Nachkriegskunst ein häufig zu beobachtendes Phänomen, bei Lucio Fontana etwa und seinen Tagli. Ende der sechziger Jahre erarbeitet Salvatore Emblema eine Werkgruppe, die seinen Weg hin zur Überwindung der Bildgrenze einleitet. In diesen vergleichsweise kleinformatigen Bildern, die ungerahmt auf einem Keilrahmen aufgezogen sind, werden die Grenzen zumeist einfarbig und geometrisch so stark betont, dass die Limitierung der Leinwand zu einem wesentlichen Bildelement wird. Dabei nutzt er die grob gewobene Struktur der Juteoberfläche, die mit ihrer leichten Transparenz den Keilrahmen durchscheinen lässt. Ende 1969 berichtet Salvatore Emblema, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben, indem er dem Jutestoff einzelne Webfäden entzogen habe. Mit dieser subtraktiven Manipulation, die den Blick durch die Leinwand hindurch auf die Wand ermöglicht, realisiert er eine seiner wichtigsten Werkgruppen, die de-tessute. Hatte die Materialität der Jute anfänglich aus Not als Bildträger gedient, erweist sie sich nun als ein Mittel, um Grenzen auszuloten und die Binnenstruktur der Bilder zu gestalten. Dieser subtile Kunstgriff und die Überlistung der Grenzen, zusammengefasst in dem Begriff Sub-limine, ist zentral für Salvatore Emblema Werk und titelgebend für die Ausstellung.

Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Salvatore Emblema; jede Menge Fotos seiner Werke auf den Webseiten des Museo Emblema

Viel Spaß in Zürich!

Kategorien:

3 Antworten zu „Salvatore Emblema in Zürich“

  1. Avatar von christinenovalarue
    christinenovalarue

    🩵

    Like

  2. Avatar von Zettl Fine Arts

    Eine wunderschoene Arbeit! Kannte ich nicht. Danke fuers Posten!

    Gefällt 1 Person

  3. Avatar von Salvatore Emblema in Zürich - #dieKunst

    […] Salvatore Emblema in Zürich […]

    Like

Hinterlasse einen Kommentar