Zum Schluss meiner kleinen Reihe über die Installationskunst und einiger wesentlicher Vertreterinnen und Vertreter dieser Kunstrichtung, noch ein kurzer Ausflug zu Happenings, einer verwandten Kunstrichtung.
Beide Kunstformen – Installationskunst und Happenings – verschieben die Grenzen dessen, was als Kunst gilt, und beziehen den Raum, die Zeit und oft auch das Publikum mit ein. Dennoch unterscheiden sie sich grundlegend in Konzept, Wirkung und Ziel.
Installationskunst ist eine räumliche Kunstform, bei der Künstlerinnen und Künstler nicht nur ein Objekt, sondern ganze Umgebungen gestalten. Der Raum selbst wird zum Kunstwerk. Materialien wie Licht, Ton, Video, Textilien, Alltagsgegenstände oder Naturmaterialien können dabei zum Einsatz kommen. Ziel ist es, den Betrachtenden in eine bestimmte Atmosphäre oder Denkweise zu versetzen. Eine Installation kann meditativ, politisch, verstörend oder spielerisch wirken – oft ist sie mehrdimensional und fordert die Sinne heraus. Jede Menge Werke habe ich in den vergangenen Wochen hier vorgestellt, beispielsweise sind Yayoi Kusamas Infinity Mirror Rooms, in denen der Besucher von unendlich erscheinenden Spiegelbildern umgeben ist, prominente Beispiel für Installationskunst. Der Effekt: ein Gefühl von Zeitlosigkeit, Auflösung des Ichs – Kunst als Erfahrungsraum. Die Installation bleibt dabei meist über Wochen oder Monate bestehen und kann von vielen Menschen individuell erlebt werden.

Marta Minujín. Momentos de la performance Leyendo las noticias, 1965, Costanera Sur, Buenos Aires, (c) gemeinfrei, Quelle: WikiCommons
Im Gegensatz dazu ist ein Happening ein einmaliges künstlerisches Ereignis, das sich oft spontan entfaltet. Diese Kunstform entsteht in den fünfziger- und sechziger Jahren und ist eng mit Künstlern wie Allan Kaprow verbunden, der den Begriff selbst prägt. Ein Happening vereint Elemente von Theater, Performance und Aktion. Es folgt keinem klassischen Drehbuch, sondern entsteht oft im Zusammenspiel von Künstlern, Raum und Publikum.
Ein zentrales Merkmal: Das Publikum ist meist nicht nur Beobachter, sondern wird aktiv in die Handlung einbezogen. Die Trennung zwischen Kunst und Leben, Künstler und Zuschauer, löst sich auf. So kann es passieren, dass sich ein Zuschauer plötzlich in einer Rolle wiederfindet oder Teil eines absurden oder poetischen Moments wird, ohne es vorher zu wissen.
Während Installationskunst auf Dauerhaftigkeit und kontemplatives Erleben setzt, lebt das Happening vom Moment, von Spontaneität und Beteiligung. Installationen erschaffen Orte, Happenings erschaffen Ereignisse. Beide Kunstformen hinterfragen klassische Vorstellungen von Kunst – und laden dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben.
Irgendwann einmal mehr zu Happenings in der Kunst. In den kommenden Tagen aber erst mal wieder zurück zur Konkreten Kunst.
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