Die Geisterbahn von Plauen

In den letzten Tagen habe ich zwei der bekanntesten konstruktivistischen und konkreten Künstler der DDR vorgestellt: Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht. Die Restaurierung der Geisterbahn von Plauen, die eng mit den beiden Künstlerin verbunden ist, sei hier noch erwähnt.

Das 1975–1976 entstehende 250 m² große, abstrakte – im Volksmund „Geisterbahn“ genannte – Wandbild von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht, wird noch zu DDR-Zeiten mit Sandsteinplatten überdeckt. Das Wandbild folgt keiner ideologischen Motivation und gerade dies ist es, was die DDR-Funktionäre beklagen. Das Wandbild ist im Stil der konkreten Kunst gemalt und stellt daher nicht dar, schon gar nicht irgendeine Ideologie, sondern beruht eben nur auf mathematisch-geometrischen Grundlagen und -formen. Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht entwickeln für das Wandbild eine spezielle, kostengünstige Keramikgranulat-Technik, die dann auch die DDR-Bauindustrie gerne einsetzte. Kostengünstig ließen sich damit etwa fensterlose Giebel an Plattenbauten gestalten.

„Wer solche Erfindungen machte, den beauftragte die DDR auch mal mit Kunst am Bau, selbst wenn das Ergebnis dann abstrakt-konstruktivistisch ausfiel. In Plauen musste sich Adler und Krachts Wandbild ab 1976 dann in der Praxis bewähren – und fiel durch. Ob den damals sozialistischen Stadtoberen der Volksmund „Geisterbahn“ nicht passte – niemand will es mehr so genau wissen, nicht einmal die Dauer, in der das Wandbild öffentlich sichtbar war. Die Angaben schwanken zwischen acht und elf Jahren, dann ließ die sozialistische Verwaltung das Corpus Delicti hinter Sandsteinplatten verschwinden. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Vor allem Karl-Heinz Adlers Gemälde und seine Collagen gehören zur international beachteten Kunst.

Am Plauener Rathaus steht seit geraumer Zeit jedoch die Neustrukturierung .. an. Adlers Wandbild wollte man da schon wieder verhindern: Teils aus Unkenntnis der Sachlage, dass nicht alle DDR-Wandbilder ideologische Inhalte haben. Teils, weil man von einem Wiederaufbau des historistischen Rathauses in jener, von der DDR geschlossenen Bombenlücke träumte. Doch da dieser Wiederaufbau zu teuer geworden wäre, sollte stattdessen ein postmoderner Bau her. Das gut erhaltene Wandbild hätte dafür teilzerstört werden müssen, was den Denkmalschutz und die stetig wachsende Fangemeinde von DDR-Wandbildern auf den Plan rief.“ Und die Wüstenrot-Stiftung, die Mittel zur Restaurierung des Wandbildes zur Verfügung stellt.

Restaurierung des Rathauses Plauen durch die Wüstenrot-Stiftung,

Quelle des obigen Zitates: Thielmann, U.: ‚DDR-Baukunst – Plauen saniert umstrittene DDR-Kunst von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht‘, mdr-online, 01.08.21, online unter MDR-Plauen saniert umstrittene DDR-Kunst, aufgerufen am 17.01.2022

Weitere Informationen zur Restaurierung der Geisterbahn von Plauen finden sich auf den Webseiten der Wüstenrot-Stiftung. Und auch Informationen zu alle den anderen Restaurierung, die mit Hilfe der Stiftung durchgeführt werden.

2 Gedanken zu “Die Geisterbahn von Plauen

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