Adolf Fleischmann – Durchbruch mit 60 Jahren

2015 widmete das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt einem Konkreten Künstler eine Ausstellung, dem der Durchbruch erst mit 60 Jahren gelingt: Adolf Fleischmann. Geboren 1882 in Esslingen, studiert an der Kunstakademie in Stuttgart. Nach dem Studium wendet sich der Schwabe allerdings ab von der Malerei hin zur Grafik und verdient sein Geld als Zeichner einer städtischen Einrichtung in Stuttgart: 

„Dann die erste Zäsur: Der Erste Weltkrieg. Fleischmann meldet sich freiwillig, kehrt 1915 schwer verwundet von der Ostfront zurück. Erst probiert er es wieder mit Gebrauchsgrafik, gestaltet Buchumschläge, entwirft Plakate. 1917 zieht er nach Zürich und findet eine Stelle als medizinischer Zeichner an der Chirurgischen Universitätsklinik. Zehn Jahre arbeitet er dort, hört aber nie auf, nach seinem eigenen künstlerischen Weg zu suchen … 

1927 beschließt er, sich ganz der Kunst zu widmen. Er verlässt die Schweiz, sucht sich ein Atelier in Berlin und reist durch ganz Europa. 1933 ist seine erste Einzelausstellung in Deutschland geplant, sie wird kurzfristig abgesagt, die Nazis sind da. Fleischmann verlässt das Land, … flüchtet sich über Italien 1938 nach Paris. …. 

Nach Internierungslagern, aus denen er wegen Krankheit entlassen wird, versteckt er sich von 1942 an in der Nähe von Toulouse. … Zurück in Paris stellt er fest, dass all seine Bilder, die er bei der überstürzten Flucht im Atelier zurückließ, durch Wasser vernichtet wurden. Und er hat kaum Geld, um Farben zu kaufen. Der Wiederanfang ist mühsam, die Existenzsorgen sind groß. … 

Nr. 39a, Adolf Fleischmann, 1955, (c) FairUse, WikiArt

1952 zieht er, 60 Jahre alt, nach New York. Wieder ein mühsamer Anfang: Fleischmann spricht zwar fließend Französisch, aber kein Englisch. … Er findet einen Job als Labor ­Assistent an der Columbia University. Und malt wie besessen; die Stadt, vor allem die Hochhäuser inspirieren ihn: kurze Querstreifen, vor denen vertikal schmale Stäbe schweben, mal in leuchtenden Farben, dann wieder in dunkel schimmernde Tönen. Das Spiel mit Licht und Farbe kommt an, weil die Betrachter das spüren, was Fleischmann 1955 schreibt: Dass die Gemälde nicht „ein Produkt von Lineal, Kompass und präziser Planung“ sind, sondern „die Variation einer mentalen Skizze, die ich beim Malen an meine Wirklichkeit anpasse.“ Es ist spannend, die ungeheure Bandbreite dieses Malers zu entdecken.“ 

Adolf Fleischmann war wohl ziemlich unbeirrbar. Lebenslang hat dieser Maler seinen Stil, seine Formensprache fortentwickelt. Zwei Weltkriege hat er erlebt, viele gewollte und ungewollte Ortswechsel, Geldnot und zigmal die Suche nach einem Job. Berühmt wurde er erst in den Sechzigerjahren, als er Rechtecke zu schmalen, rhythmisch strukturierten Streifen zerfallen ließ, Kreise in Luftgittern verwandelte und seine Bilder auf eigentümliche Weise zu flirren begannen.“ 

Quelle: Sabine Reithmaier:„Ein Leben für die Malerei“, Süddeutsche Zeitung vom 20.11.15, online unter: http://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-ein-leben-fuer-die-malerei-1.2747008, aufgerufen am 12.04.2018 

Einige Werke des Künstlers finden sich bei WikiArt: Adolf Fleischmannn

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