Die Kunst ist der weiße Wal und Lee Krasner ist Ahab

Nochmal zur abstrakteren Expressionistin Lee Krasner. Vorgestern habe ich über die derzeit laufende Ausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt geschrieben. Das Digitorial zur Ausstellung ist wirklich gut gelungen. In der Welt ist noch eine wirklich lesenswerte Einführung in die Werke und das Leben von Lee Krasner erschienen. Hier ein Auszug des Artikels:

Lee Krasner, Portrait in Green, 1969, 140,3 × 239,8 cm, Collection Pollock-Krasner Foundation. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 & The Pollock-Krasner Foundation, courtesy Kasmin Gallery, New York. Photo: Diego Flores

„Extremisten von Manhattan nannte der Schriftsteller Tennessee Williams die Clique um Lee Krasner und Jackson Pollock, als er 1944 in Provincetown den Sommer verbrachte: „Solch eine Ansammlung von Verrückten findet man nicht außerhalb von Bellevue oder dem alten englischen Badlam“ – beides sind psychiatrische Kliniken.

Krasner und Pollock waren da seit drei Jahren ein Paar. Pollock erfand das Actionpainting, wurde berühmt und Alkoholiker und starb bei einem Autounfall im Sommer 1956. Seine Frau Lee Krasner überlebte ihn bis 1984 und heiratete nie wieder. Beide schrieben Kunstgeschichte, beide sind Pioniere des Abstrakten Expressionismus. Doch nur Pollock wurde weltberühmt. …

Lena Krassner war die Tochter von jüdischen Einwanderern aus der Ukraine, die in Brooklyn lebten. Eine schon eingefädelte Heirat hatte sie resolut abgelehnt, die Eltern ließen sie an die Kunstuni ziehen.“ Lee Krasner wird zur Pionierin des amerikanischen, abstrakten Expressionismus.

„Lee Krasner und Jackson Pollock lebten so, wie man sich ein wildes amerikanischen Künstlerpaar in den Fifties vorstellt: in einem Farmhaus auf Long Island, in dessen hölzernen vier Wänden es im Winter so kalt wurde, dass Lee Krasner dicht am Ofen arbeiten musste. Kunst und Leben sind eins. Man sollte sie trennen, wenn man ernsthafte Kunstgeschichte betreiben will, hieß es lange, aber Lee Krasner kümmerte sich einfach nicht darum. So wie sich Krasner ja auch sonst an wenig hielt, was ihr an Regeln vorgegeben wurde. Man könne in ihren Bildern alles über sie erfahren, meinte sie, wenn man nur genau hinschaue. Und was erfährt man?

Dass sie zeitweilig unter so großer Schlaflosigkeit litt, dass sie nachts arbeitete und dafür den Farben entsagte (weil die sich unter Kunstlicht zu sehr verändern). Ausschließlich Schwarz, Weiß und Umbratöne umfasst die Palette ihrer zum Teil riesigen Bilder… Steht man davor, scheint der Blick immer wieder zu kippen. Man überfliegt erst ein schneeiges Gebirge, dann wieder befindet man sich in einem Moby-Dick-mäßigen Sturm, und dann wieder hat es etwas von japanischer Kalligrafie. Das Bild ist so groß, damit man darin ganz versinken kann, aber nicht aus Prinzip, um anzugeben. Manche der Werke müssen groß sein, andere nicht. Anders als Jackson Pollock malte Krasner immer in der Vertikalen, sie schmiss Farbe auf die Leinwand, anstatt sie herunterrinnen zu lassen: ‚Jede Handbewegung ist ein Hieb‘, sagte sie. Die Kunst ist der weiße Wal und Lee ist Ahab.“

Quelle: Boris Pofalla, Die Künstlerin, die Pollocks Leinwand zerriss, Welt-Online, 11.10.19, unter: https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/ , aufgerufen am 20.10.19

Im Schirn Magazin, dass sich in diesen Wochen natürlich auch mit Lee Krasner befasst, habe ich nochmals eine interessante Einführung zum Werk der Künstlerin gefunden: Lee Krasner

3 Gedanken zu “Die Kunst ist der weiße Wal und Lee Krasner ist Ahab

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