Marina Abramović und das Messerspiel

Vorgestern habe ich die serbische Künstlerin Marina Abramović an dieser Stelle vorgestellt. Heute zu einer ihrer ersten und bekanntesten Performancedarbietungen – dem ‚Rhythm 10‘. Die Künstlerin zeigt diese Performance erstmals 1973 in Edinburgh mit dem Ziel, wesentliche Elemente von Ritualen und Gesten zu erkunden.

Mit zwanzig Messern und zwei Tonbandgeräten spielt Marina Abramović das russische Spiel, bei dem schnelle, rhythmische Messerstöße zwischen die gespreizten Finger einer Hand gerichtet werden. Jedes Mal, wenn sie sich dabei schneidet, nimmt die Künstlerin sie ein neues Messer aus der Reihe der zwanzig Messer, die sie vor sich ausgebreitet hat. Mit einem Tonbandgerät nimmt sie den Rhythmus auf. Nachdem sie sich zwanzig Mal geschnitten hat, spielt sie das Tonband mit dem aufgenommenen Messerstichrhythmus ab, hört sich die Geräusche an und versucht, dieselben Bewegungen im selben Rhythmus zu wiederholen. Dabei versucht sich auch, die Fehler zu wiederholen und sich wiederum zu schneiden. Damit, so ihr Ansinnen verschmelzt, Vergangenheit und Gegenwart.

Sie macht sich daran, die körperlichen und geistigen Einschränkungen des Körpers zu erforschen – den Schmerz und die Geräusche des Messerstichs; die doppelten Töne aus dem Verlauf und der Replikation. Mit diesem Stück beginnt Marina Abramović, den Bewusstseinszustand des Darstellers zu betrachten – ein zukünftig wesentlicher Bestandteil ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Marina Abramović, Rhythm 10, 1974 (neue Aufnahme – verkürzt dargeboten von Hidden Mother)

Mehr zu ihrer Kunst auf der Webseite der Künstlerin: Marina Abramović. Und dann sei noch auf einen durchaus kritischen, lesenswerten Artikel zur Künstlerin, der 2019 in ‚Der Welt‘ erschienen ist, verwiesen. Darin wird die Rezeption der gesellschaftskritischen Künstlerin in ihrer Heimat Serbien ebenso thematisiert, wie die mögliche Fälschung ihrer eigenen Biografie: „Wie viel Fiktion steckt in ihrer Biografie“

Ein Gedanke zu “Marina Abramović und das Messerspiel

  1. Woll, woll! Wie der Tiroler sagt.
    Oder hochdeutsch: Doch, doch.
    Fälschungen | Abwandlungen | Bereinigungen der Biografie sind nicht ungewöhnlich, fast häufig.

    Gründe dafür gibt es viele:
    Vom Spaß an der Sache, dem Spiel
    bis zu politischen Korrekturen, finanziellen Überlegungen, …

    Gefällt 1 Person

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