Tomás Maldonado – von nicht-gradlinigen und rechteckigen Rahmen

Der vielleicht in Deutschland bekannteste konkrete Künstler Argentiniens ist Tomás Maldonado, der in den fünfziger Jahren für einige Zeit an der, von Max Bill initiierten, Hochschule für Gestaltung in Ulm als Lehrer und später Direktor tätig ist.

Tomás Maldonado, 1922 in Buenos Aires geboren, studiert in seiner Heimatstadt Kunst. 1942 schreibt er zusammen mit Jorge Brito, Claudio Girola und Alfredo Hlito das ‚Manifesto de los cuatro jovenes‘, in dem er seine Uneinigkeit über die Auswahl der Künstler für den Salón Nacional im Jahre 1942 zum Ausdruck bringt. 1944 schließt er sich der Madí Gruppe an und lernt dort Lidy Prati kennen, die er kurze Zeit später heiratet. Er ist einer der Hauptinitiatoren der Zeitschrift Arturo. Die Zeitschrift setzt sich zum Ziel, mit den verschiedenen Strömungen der figurativen Kunst zu brechen, den internationalen Avantgarde-Bewegungen zu folgen und die abstrakt-geometrische und konstruktivistische Kunst in Argentinien zu fördern.

Zu dieser Zeit experimentiert Tomás Maldonado wie einige seiner Freunde mit unregelmäßigen Rahmen. Das Markenzeichen der Arbeit der Künstler rund um Arturo war die neuartige Idee nicht geradliniger Rahmen. Auf dem Cover der einzigen veröffentlichten Ausgabe des Magazins haben die Künstler jedoch eine Xylographie mit abstrakt-organischem Charakter reproduziert, die eigentlich nicht ihrer Praxis eben der nicht gradlinigen Rahmen entspricht. 1945, kurz bevor die Differenzen zwischen den Gründern das Ende des Magazins verursachen, organisiert die Künstlergruppe zwei Ausstellungen mit dem Titeln Concrete-Invention Art und Movimiento de arte concreto invención und aus diesen gemeinsamen Ausstellungen heraus entsteht eine neue Gruppe namens Asociación Arte Contreto-Invención. Tomás Maldonado ist ebenso dabei, wie auch seine Frau Lidy Prati oder auch Raul Lozza und Enio Iommi.

Titelblatt des Magazins Arturo 1944/45

Mit Tomás Maldonado als Hauptideologen befürwortet die Asociación Arte Contreto-Invención eine Art Kunst, die mit den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritten der Zeit vereinbar ist. Sie schlagen eine Kunst vor, die vorhandene Stile und Objekte nicht kopiert, sondern konsequent neue erfindet. 1946 findet die Eröffnungsausstellung der Asociación Arte Contreto-Invención statt. Bei dieser Gelegenheit schreiben Tomás Maldonado und Edgar Bayley das Manifiesto Invencionista, und noch im selben Jahr wird die Zeitschrift Arte Concreto Invención gegründet.

Ende der vierziger Jahre reist Tomás Maldonado nach Europa und hat die Gelegenheit, Max Bill und Georges Vantongerloo zu treffen, führende Persönlichkeiten der Kunst- und Design-Avantgarde und insbesondere auch der Konkreten Kunst. Er wird stark von seiner europäischen Erfahrung beeinflusst und leitet nach seiner Rückkehr nach Argentinien einen Prozess ein, der zunächst die Wiederaufnahme der Malerei in rechteckigen Rahmen anstößt und rigorose konkrete, geometrische Kunst fördert. In der fünfziger Jahren verabschiedet Tomás Maldonado sind von der Malerei und wendet sich dem Grafik- und Industriedesigns zu. Zusammen mit Alfredo Hlito gründete er einerseits die Zeitschrift Nueva Visión, die von 1951 bis 1957 publiziert wird und koordiniert er andererseits die Grupo de Artistas Modernos de la Argentina.

Übermorgen mehr zum Tomás Maldonado und seiner Zeit in Deutschland.

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