Präzisionismus – Verkörperung des amerikanischen Traumes

Eng verbunden mit dem Amerikanischen Realismus’ ist der – die letzten Tage hier schon mehrfach erwähnte – sogenannte Präzisionismus, der nicht von einer Künstlergruppe ausgeht, sondern sich vielmehr auf die Ausdrucksweise einiger Maler bezieht, die mit großer Klarheit, Maschinen und Gebäude des industrialisierten Amerika abbilden – von Fabrikanlagen bis zu Wolkenkratzern und Hängebrücken. Die Faszination für städtische Umgebungen teilt der Präzisionismus – und auch andere Gruppen des Amerikanische Realismus – dabei wiederum mit dem italienischen Futurismus. Während der italienische Kunststil jedoch Bewegung, Tempo und Dynamik betont, wollen die amerikanischen Präzisionisten ihren Motiven eine Aura der Starrheit und Monumentalität verleihen. Die Werke sind oft mit geometrischen Formen aufgebaut und durch klare Umrisse voneinander abgegrenzt. Mit kühlen Farben in flächigen Strukturen sind Städte, Maschinen und Industrieanlagen dargestellt. Menschen und Naturlandschaften findet sich so gut wie nie in den Werken der Präzisionisten.

Ralston Crawford, Steel Foundry, Coatesville, Pa., 1936 – 1937
Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Der Präzisionismus kommt in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf und geht einher mit dem Fortschrittsglauben vieler Amerikaner, der in den menschlichen, technischen Errungenschaften in Form von Maschinen, Fabriken und Industrieanlagen zum Ausdruck kommt und damit ein Teil des amerikanischen Traumes ist. Hauptvertreter des Präzisionismuses sind Charles Demuth, Charles Scheeler und Georgia O‘Keeffe, die allesamt nicht nur als Präzisionisten wichtige Impulse für die amerikanische Kunst setzen, sondern auch die nordamerikanische Kunst des letzten Jahrhunderts insgesamt nachhaltig beeinflussen. Ralston Crawford und Louis Lozowick sind weitere wichtige Vertreter, die mit den Bildern von Industrieanlagen weithin bekannt werden.
Zu den Präzisionisten bei Gelegenheit einmal mehr.

Quelle dieser Einführung in den Präzisionismus: Phillips, S.: „Moderne Kunst verstehen“, Seemann Verlag, Leipzig, 2015, S. 58f.

Ein Gedanke zu “Präzisionismus – Verkörperung des amerikanischen Traumes

  1. Tatsächlich kenne ich von den erwähnten Künstlern nur Georgia O’Keefe und ihre präzisen Darstellungen der Natur liebe ich sehr.

    VAuf mich wirkt es so, dass das nüchterne Industriedesign zwar präzise, uns dennoch auf den Weg der Anonymität und Kühle führte. Ich war zum Beispiel lange Zeit fasziniert von der klaren, einfachen Bauhausarchitektur. Mittlerweile bevorzuge ich jedoch die Details am Bauwerk – das einen solchen Namen verdient – auch als Zeuge der Zeit, die sich bei der handwerklichen Anfertigung genommen wurde.

    Das Reduzierte ist sicherlich ein wertvoller Fingerzeig, doch bei der Erwähnung des „Fortschrittsglauben“ habe ich gekachelte Krankenhausflure vor Augen, denen jedes Zeichen des Menschlich-Lebendigen, der Wärme und des Geborgenen abhanden gekommen ist.

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