The Eight und die Ashcan School – Wegbereiter der amerikanischen Moderne

Vorgestern habe ich Robert Henri vorgestellt, den Organisator der ‚The Eight‘, einer Gruppe amerikanischer Maler, die zwar nur einmal gemeinsam Werke ausstellen, aber mit dieser Ausstellung eine der Hauptströmungen der amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts vorbereiten – den Amerikanischen Realismus. Zu den ursprünglichen Acht gehörten Robert Henri, Everett Shinn, John Sloan, Arthur B. Davies, Ernest Lawson, Maurice Prendergast, George Luks und William J. Glackens. George Bellows schließt sich später an. Das Ziel der Gruppe bekannter Maler ist es, Kunst näher an den Alltag heranzuführen und nationale Themen als Sujets in den Vordergrund zu stellen. Die konsequente Verfolgung der Ziele durch diese Künstler hat die spätere Entwicklung der nordamerikanischen Kunst lange beeinflusst.

George Bellows, Men of the Docks, 1912, National Gallery, London (c) gemeinfrei

Als Reaktion auf eine amerikanische, akademische und ästhetische Tradition, die der europäischen Ästhetik folgt, will ‚The Eight‘ eine nationale Kunstidentität schaffen und nationale Themen, wie beispielsweise die unberührte Natur und ihrer Ureinwohner in Nordamerika oder die Charakteristik der modernen amerikanischen Städte als Sujets der Kunst etablieren. Goerges Luks, John Sloan, William Glackens und Everett Shinn arbeiten als Zeitungsillustratoren und Karikaturisten. Sie und die vier anderen Künstler nutzten das Leben in New York als Thema ihrer Kunst und präsentierten nicht-idealisierte Ansichten des Stadtlebens. Dabei malen einige der Künstler der Gruppe in einem eher groben, realistischen Stil und verwendeten auffällige Pinselstriche auf dunklem Grund, die an Édouard Manet, Gustave Courbet und die deutsche Düsseldorfer Schule erinnern. Andere Mitglieder gehen ganz neue Wege: Maurice Prendergast übernimmt für seine Werke dekorative Farbmuster für die Darstellung seiner amerikanischen Landschaft; Arthur Davies malt verträumte, zwielichtige Szenen, die sich eher aus lyrischen Allegorien als aus dem zeitgenössischen Leben entwickeln. Trotz dieser unterschiedlicher Stile schließen sich die Künstler unter der Führung von Robert Henri 1908 zu einer Gruppenausstellung in der Macbeth Gallery zusammen. Es ist die einzige Ausstellung der Gruppe, die aber viel besucht und diskutiert wird und in der Folge tatsächlich den Weg ebnet für eine nationale Kunst in Amerika.

Einige Jahre nach dieser einzigen gemeinsamen Ausstellung werden die acht Maler in eine größere Gruppe namens Ashcan School aufgenommen, zu der auch Künstler wie Edward Hopper, Glenn Coleman und Jerome Myers gehörten. Die Ashcan-School, deren Prinzipien und Ziele denen der Acht ähneln, ebnet schlussendlich den Weg für die Entwicklung eines nationalen Stils in der amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts, der dann in Form des Amerikanischen Realismus und seiner diversen Untergruppierungen bekannt wird.

Zur Vertiefung sei auf einen englischsprachigen Artikel im Internetauftritt des Metropolitan Museum of Art in New York verwiesen: Ashcan School

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