Robert Henri, ‚The Eight‘, die Ashcan School und der Realismus

Robert Henry Cozad wird 1865 in Cincinnati, Ohio, als Sohn eines professionellen Spielers und Immobilienspekulanten geboren. Die Familie lebt zunächst in Nebraska, später dann in Colorado. Nachdem der Vater der Familie einen Farmer wegen eines Landstreits erschießt und wegen Totschlags angeklagt wird, muss die Familie in den Osten des Landes flüchten. Die Familie ändert den Nachnamen wegen des folgenden Skandals von Henry Cozad zu Henri und lässt sich schließlich in den frühen 1880er Jahren in New Jersey nieder.

Robert Henri, Storm Weather Wyoming Valley, 1902
(c) gemeinfrei

Robert Henri studiert zunächst Kunst in Philadelphia und später in Paris. Die Sommermonate in Frankreich nutzt der junge Künstler, um in der Bretagne zu malen und um Italien zu besuchen. 1892 kehrt er nach Philadelphia zurück, nimmt sein Studium an der Akademie wieder auf und startet anschließend eine lange und einflussreiche Karriere als Kunstlehrer.

Zur Jahrhundertwende lässt sich Robert Henri in New York nieder und unterrichtet dort für viele Jahre an der New York School of Art. Er lehnt sowohl die vornehme Tradition der europäischen, akademischen Malerei als auch den Impressionismus ab und schafft stattdessen Werke mit unkonventionellen, urbanen, realistischen Themen, die in einem kühnen, malerischen Stil ausgeführt werden. Um 1902 spezialisiert er sich zunehmend auf die Porträtmalerei. Neben seiner diversen Lehrtätigkeiten, die er bis zu seinem Tode 1929 weiterführt, organisiert Robert Henri eine Reihe außergewöhnlicher Ausstellungen – allen voran die berühmte Ausstellung der ‚The Eight‘ 1908 in New York. ‚The Eight‘ ist eine Gruppe amerikanischer Maler, die zwar nur einmal gemeinsam Werke ausstellen, aber mit dieser Ausstellung eine der Hauptströmungen der amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts vorbereitet – den Amerikanischen Realismus. Zu den ursprünglichen Acht gehörten Robert Henri, Everett Shinn, John Sloan, Arthur B. Davies, Ernest Lawson, Maurice Prendergast, George Luks und William J. Glackens. Das Ziel der Gruppe ist es, Kunst näher an den Alltag heranzuführen und nationale Themen als Sujets in den Vordergrund zu stellen. Die konsequente Verfolgung der Ziele durch diese bekannten Künstler hat die spätere Entwicklung der amerikanischen Kunst stark beeinflusst.

Der künstlerische Einfluss von Robert Henri hingegen beginnt mit dem allmählichen Aufstieg radikalerer, modernistischer Stile nach der Armory Show von 1913 zu schwinden. Robert Henri bleibt ein wichtiger Porträtist und Figurenmaler, der für seine geradlinigen, vitalen Portraits mit ungewöhnlichen Darstellern bewundert wird. Dennoch ist er nicht unbedingt wegen seiner Portraits in die Kunstgeschichte eingegangen, sondern vielmehr als einflussreicher, fortschrittlicher und charismatischer Mitbegründer der sogenannten Ashcan School – einer Gruppe von Künstlern, die sich dem urbanen Realismus verpflichtet fühlen.

Zu The Eight und der Ashcan School in den kommenden Tagen einmal mehr. Bei WikiArt finden sich viele Werke des Landschafts-, Stadtansichts- und Portraitmalers: Robert Henri.

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