Michelangelo Pistoletto und der Kubikmeter Unendlichkeit

Die Venus der Lumpen, die ich vorgestern vorgestellt habe, ist eines der wichtigsten Werke des Arte Povera Künstlers Michelangelo Pistoletto. In vielen andere Werke beschäftigt er sich mit Reflexionen und setzt bewusst Spiegel ein, um den Betrachter in das Kunstwerk mit zu integrieren. Ein Besonderes dieser Werke – der Kubikmeter Unendlichkeit – wurde 2010 im Palazzo Strozzi in Florenz installiert.

A Firenze, il cubo di Michelangelo Pistoletto
Michelangelo Pistoletto, Metrocubo d’Infinito in un Cubo Specchiante, 1966

„Ein Stahlkubus ist innen vollständig mit Spiegeln ausgekleidet, so dass die Illusion eines unendlichen Raumes entsteht. Der bereits 1966 entstandene „Metrocubo d’Infinito“ ist im Zentrum dieser Unendlichkeit positioniert. Spiegel spielen im Werk von Pistoletto bereits seit den frühen 60er Jahren eine große Rolle. Er nutzte sie als Malgrund für seine gemalten Figuren, band durch die Spiegelung den Betrachter mit ein. Pistolettos „Spiegelbilder“ verschafften dem Italiener den internationalen Durchbruch.

Haben die Spiegelungen anfangs die Welt rund um das Werk verdoppelt, ja eingeschlossen, und können die Werke ohne den sich bewegenden und ins Bild eingebundenen Besucher nicht existieren, so nutzt der Künstler sie nun, um die Leere ins Unendliche zu steigern. Während sich der Besucher im ersten Kubus mit dessen Struktur und Illusion direkt auseinandersetzen kann, muss er dem Künstler beim zweiten Kubus einfach Glauben schenken. Sehen und Verstehen stehen dabei dem Erahnen und Glauben diametral gegenüber. Pistoletto erweitert sein Frühwerk um eine weitere Dimension – auch wenn das bei der postulierten „Darstellung“ und „Abmessung“ eines Kubikmeters Unendlichkeit bereits absurd klingt. Die Unendlichkeit, die vermutete Spiegelung der Spiegelung, erneut in einen gespiegelten Raum zu stellen (wobei der Spiegel an sich, d.h. als Material, nicht sichtbar ist, sondern nur aufgrund seiner Reflexionsfähigkeit erfahrbar), potenziert das Konzept Pistolettos. Nicht das Sichtbare scheint Ziel seiner … Überlegungen zu sein, sondern das Denkbare. Eine Unterscheidung zwischen Realem und Irrealem scheint unmöglich, Raumerfahrung und Raumwissen kollidieren unvereinbar. Womit sich der Kreis erneut schließt. Sehen, Glauben, Wissen in einem, wie Pistoletto es 1961 formulierte, „Raum mit unbeschränkten Möglichkeiten“.

Quelle: A. Matzner, „Michelangelo Pistoletto: Metrocubo d’Infinito in un Cubo Specchiante – Ein Kubikmeter Unendlichkeit“ Art in Words online, 23.10.2010, online unter: https://artinwords.de/michelangelo-pistoletto, aufgerufen am 27.04.2020

Übrigens sei mal erwähnt: Art in Words ist eine meiner favorisierten Webseiten zu Kunst und Kultur. Macht Spaß dort zu stöbern und die Seite sei jedem Kunstinteressierten ans Herz gelegt!

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