Germano Celant und seine Arte Povera

Der italienische Kunsthistoriker, Kritiker und Kurator Germano Celant ist so etwas wie der Gründer der Arte Povera – der „armen“ Kunst. Er führt 1967 in einem Aufsatz für die Zeitschrift ‚Flash Art‘ den Begriff in die Kunstwelt ein und grenzt die vermeintliche Kunstbewegung ab. Im gleichen Jahr organisiert Germano Celant eine Ausstellung in Genua, die erstmals mit „Arte Povera“ tituliert.

Er versteht unter der Arte Povera Bewegung eine Gruppe italienischer Künstler „… denen er sich seit 1963 zugehörig fühlte. Celants Ideen lassen sich im Kontext des Situationismus [Anmerkung siehe unten] und anderer revolutionärer Ideologien der 1960er Jahre betrachten, die das kapitalistische System des Westens in Frage stellen. Der Kunsthistoriker konstruirete einen Gegensatz zwischen ‚reicher‘ und ‚armer‘ Kunst. Erstere habe ein „kleptomanisches Vertrauen in das System und den Gebrauch kodifizierter und artifizieller Sprachen im bequemen Dialog mit gegebenen Strukturen“, Letztere präsentiere sich „als etwas Plötzliches und Unvorhergesehenes im Hinblick auf konventionelle Erwartungen Die Künstler, von denen Celant meinte, sie stellten „arme“ Kunst her, lebten in norditalienischen Städten und arbeiteten vorrangig in den Bereichen Plastik, Installation und Performance.

Achrome, 1959 - Piero Manzoni
Pietro Manzoni, Achrome, 1959
Quelle: WikiArt, (c) FairUse)

Um die gesellschaftlichen Normen zu hinterfragen, nutzten sie alltägliche Gegenstände in überraschenden Gegenüberstellungen mit anderen Objekten – ein Anklang an den Surrealismus. Obwohl sie häufig einfache Materialien einsetzten, gab es etliche Arbeiten, die kostspielig in ihrer Herstellung waren. Wie Celant erklärte, war mit „arm“ eine anti-konventionelle Haltung gemeint und nicht billige Bestandteile.“

Quelle: Philipps, S.: „Moderne Kunst verstehen“, E. A. Seemann Verlag, Berlin, 2015, S. 107

Anmerkung Situationismus – zu mindestens für mich ist dieser Begriff neu; habe ihn noch nie im Zusammenhang mit Kunst gehört. Er bezieht sich wohl auf die Denkhaltung einer Gruppe von Künstler (zitiere Wikipedia): Die Situationistische Internationale (S.I.) war eine 1957 gegründete, linke Gruppe europäischer Künstler und Intellektueller, die vor allem in den 1960er Jahren aktiv war. Die Situationisten beeinflussten die politische Linke, speziell im Umfeld des Pariser Mai 1968, die Entwicklung der Methoden der Kommunikationsguerilla und die internationale Kunstszene, insbesondere die Popkultur. Die Zahl der Mitglieder lag zwischen zehn und 25. Über die Zeit waren insgesamt ca. 70 Personen beteiligt. 1972 gab die Gruppe ihre Selbstauflösung bekannt.
Quelle: Wikipedia: Situationistische Internationale

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