Über die Definition von Konkreter Kunst

In einem Statement des ungarischen Künstlers Rezsö Somfai habe ich folgende Annäherung an eine Definition der Konkreten Kunst gefunden.

„Die Erfindung der Bezeichnung Konkrete Kunst wird mehreren Künstlern zugesprochen; deshalb kursieren verschiedene Definitionen darüber. Viele definieren sich durch Negation, andere benützen zur Definition unkonkrete, undefinierte, falsche Begriffe, und das gefällt mir nicht. Dabei ist es ganz einfach: man muß nur beobachten, welche bildnerische Elemente in welchem konzeptuellen Zusammenhang hier benützt werden; und die Antwort darauf ist gleich die Definition für die Konkrete Kunst. Es ist falsch anzunehmen, daß erst das theoretische Programm erstellt wurde, wonach dann die Künstler gearbeitet haben. Nein, es ist genau umgekehrt gewesen. Kunst entsteht intuitiv, und zwar immer! Man hat die Konkrete Kunst intuitiv entdeckt, und das wollte man natürlich gleich deuten, um ihre Berechtigung zu sichern. Das zeigt die Tatsache, daß zwar alle beteiligten Künstler die gleichen Mittel und Vorstellungen von Anfang an benützten, aber über die theoretische Definition sich zerstritten haben. Und wir streiten uns bis heute und sind uns immer noch nicht ganz einig, dabei können wir trotzdem wunderbar zusammenarbeiten.

Camille Graeser, rhythmische Reduktion, 1952.gif
 Camille Graeser, rhythmische Reduktion, 1952,  Amanda Twigs, CC BY-SA 4.0

Also, ich versuche hier nach meinem eigenen Motto die Konkrete Kunst zu definieren:

In dieser Kunstgattung werden die möglichen bildnerischen Elemente: Linie, Fläche, Form, Farbe, Raum, klar definiert und sich selbstinterpretierend eingesetzt und in einen klaren bildnerisch– konzeptuellen Zusammenhang gebracht. Dabei werden zur Erstellung der Aussage des Werkes die Phänomene: Kontrast, Gleichwertigkeit, Harmonie, Disharmonie, Labilität, Stabilität, Gleichgewicht, Symmetrie, Asymmetrie, Ruhe, Dynamik, Progression, Einzahl, Vielzahl, etc. herangeholt.  Die Qualität des Werks wird bestimmt von Intuition, Intention, Sensibilität, Kultur und Logik, womit das Werk gestaltet wurde.“

Das ganze, lesenswerte Statement findet sich, neben vielen weiteren Informationen und Werke, auf der Webseite des Künstlers: Rezsö Somfai

5 Gedanken zu “Über die Definition von Konkreter Kunst

  1. Eine sehr interessante Definition hast du für dich gefunden. Die Phänomene, die du heranziehst, sind mir relativ klar, bis auf Labilität/Stabilität. Kannst du das bitte noch näher bzw. mit einem Beispiel beschreiben oder zeigen?

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    • Hallo Linienspiel, dank Dir für Deinen Kommentar. Ich verstehe Labilität und Stabilität als Möglichkeiten mit Formen im Bild zu arbeiten. Labile Formenkombinationen scheinen sich zu bewegen, auseinanderzubrechen, … während stabile Formen ruhen. Wenn du also beispielsweise einen Kreis auf die Spitze eines Dreieckes malst, dann entsteht der Eindruck einer labilen „Konstruktion“ – der Kreis könnte jeden Moment von Dreieck „rutschen“; wenn du jedoch ein Dreieck malst, dass mit der langen Seite auf einem Quadrat steht, dann sieht dies „stabil“ aus. Liebe Grüße und Dir einen schönen Tag

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