Michail Matjuschin – Komponist, Kunsttheoretiker und Futurist

Letzte Woche habe ich über die Oper, die den Sieg über die Sonne zum Inhalt hat, geschrieben. Der Bühnenbildner bei der Uraufführung – Kasimir Malewitsch – wird anschließend mit seinem – erstmals auf dem Bühnenvorhang zu sehenden – schwarzen Quadrat weltberühmt. Er geht als Begründer des Suprematismus in die Kunstgeschichte ein. Der Komponist der futuristischen Oper ist weit weniger bekannt: Michail Wassiljewitsch Matjuschin.

Der lebenslange Freund von Kasimer Malewitsch ist nicht nur Komponist, sondern auch Künstler und einer der Begründer und später wichtiger Vertreter des Futurismus. Zeitlebens wechselt Michail Matjuschin immer wieder zwischen Musik und Kunst. Über dreißig Jahre spielt er die erste Geige im Orchester in St. Petersburg und gleichzeitig ist er – nach einer Ausbildung an der Zeichenschule in St. Petersburg – als Maler aktiv.

Michail Matjuschin, Bewegung im Raum, um 1923, (c) gemeinfrei

Ab 1914 wirkte er dann auch noch als Schriftsteller, Kunstkritiker und Publizist. Michail Matjuschin veröffentlicht Bücher über den Kubismus und schreibt Artikel über den Futurismus in St. Petersburg. Und noch später schreibt er dann noch Kunstgeschichte mit seiner Theorie des „erweiterten Sehens“, die auf dem Studium des Raums und den Prinzipien der Wechselwirkung zwischen Farbe und Medium, Farbe und Form, Farbe und Klang, Form und Zeit beruht. Verschiedene Aspekte dieser Probleme spiegeln sich in erhaltenen Artikeln, Berichten und Vorträgen von Michail Matjuschin aus den 1920er Jahren wider.

Kreativität ist für den Kunsttheoretiker definitionsgemäß nichts anderes als „die Konzentration der intellektuellen und physischen Fähigkeiten des Menschen in einer Anstrengung des Willens und des Drängens, die den größten Wert von allem hervorbringt, den eine Kreatur hervorbringen kann“. Ein solches Verständnis des kreativen Prozesses führte ihn zum Studium der Gesetze der menschlichen Physiologie. Experimente und Beobachtungen seiner „Schule“ wurden in Richtung der Wechselwirkung von „Berührung, Hören, Sehen und Denken“ durchgeführt. Die zweite Komponente der Theorie des „erweiterten Sehens“ war die Lehre von drei aufeinander einwirkenden Farben, die ein Gefühl der Harmonie in der menschlichen Wahrnehmung erzeugen. Der Punkt ist, dass jede Primärfarbe in einem neutralen Raum in unserer Wahrnehmung eine zweite Farbe im Kontrast zur Primärfarbe erzeugt und zusammen mit den beiden Primärfarben eine dritte, zusätzliche Farbe erzeugt wird – so Michail Matjuschin.

Seine Überlegungen zu den Harmonien von Farben wurden später am Bauhaus und danach unter anderem von Josef Albers weitergeführt.

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