Heijo Hangen, das Quadrat und sein sechseckiges Modul

Über Heijo Hangen und sein Modul habe ich bereits mehrfach geschrieben. Er muss Erwähnung finden, wenn man über die Konkrete Kunst nach 1945 in Deutschland schreiben will – er hat die Konkrete Kunst in Deutschland über mehrere Jahrzehnte hinweg mit geprägt.  

„Heijo Hangen gehört zu den puristischen Vertretern der konkreten Kunst, die das Erbe der Züricher Konkreten in strenger Weise fortführten. Am Anfang stand bei ihm — ebenso wie bei Josef Albers oder Richard Paul Lohse — das Quadrat. Diesem kommt in der konstruktiven Kunst eine besondere Rolle zu. Das berühmte Schwarze Quadrat (1915) von Kasimir Malewitsch verkörpert ein Schlüsselwerk dieser Kunstrichtung und wurde in zahllosen Beispielen mittels eines rational-logischen Bildansatzes immer wieder aufgegriffen. Hangen näherte sich dieser Elementarform durch Teilungen. Seine ersten Teilungsversuche an geometrischen Figuren begann er am Kreis, dessen Möglichkeiten er jedoch schnell. Das Quadrat rasterte er hingegen in 16 gleiche Teilquadrate. Vier zentral liegende Rastereinheiten organisieren sich zu einem neuen Teilquadrat und bilden den Flächenwert 4:12 aus. Über die senkrechte Mittelachse des Teilquadrats verläuft eine Diagonale in drei Richtungen, die eine Zickzacklinie bildet und zugleich das Quadrat in zwei gleich große Flächen aufteilt. Diese Modulform 1 entwickelte Hangen 1962; im Jahr 1969 variierte er diese Zickzackaufteilung durch die Rasterung des Quadrats in 16 gleiche Dreiecksfelder. Das entstandene Modul ist ein Sechseck, das fortan in zahllosen Kombinationen Hangens Werk auszeichnet. lnnerhalb eines Teilquadrats verhalten sich die beiden Module konvex und konkav. Was in Worte gefasst wie höhere Mathematik erscheint, ist optisch leicht nachvollziehbar — einer der wichtigen Grundsätze der ‚konkreten Kunst‘. …  

ln Anlehnung an Max Bills zentrale Serie fünfzehn variationen über ein thema (1936—1938) bewies Hangen das unendliche Variations- potenzial seines Bildmoduls. Er entwickelte Folgen aus einer Komposition oder erschuf Einzelwerke. Davon unabhängig korrespondieren alle Bilder miteinander und lassen eine flexible Hängung zu. Denn da gewährt der Künstler dem Kurator eine seltene Freiheit: Seine Bilder kennen kein Oben und Unten, kein Rechts und Links.“ 

Quelle: Simone Schimpf: „Heijo Hangen“, in: Konkret. Die Sammlung Heinz und Anette Teufel im Kunstmuseum Stuttgart, Bestandskatalog Bd. 1, Stuttgart, 2009, S. 148 

Siehe auch:
Der Meister des Moduls – Heijo Hangen 
Heijo Hangen un die Teilung des Quadrats

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