Max Bill’s Manifest der Konkreten Kunst

Max Bill‘s Manifest der Konkreten Kunst ist das Fundament der ganzen konkreten Kunstrichtung. Das  sogenannte „Manifest“ der Konkreten Kunst fehlt in keiner Monografie über Max Bill und auch in kaum einem Ausstellungskatalog konkreter Kunst. „… in der Regel wird die dritte Version von 1949 verwendet, weshalb insbesondere die Modifikationen interessant sind.

Die erste Version erschien 1936 im Katalog zur Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik“ im Kunsthaus Zürich und ging nicht weit über das Manifest von van Doesburg hinaus.

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Poster zur Ausstellung „Konkrete Kunst“ in der Kunsthalle Basel, 1944

Von Bill selbst ist der Kommentar überliefert, er habe van Doesburgs Text „erweitert und aktualisiert“. Wesentliche Aspekte wie die Abgrenzung zur Abstraktion, die Autonomie der bildnerischen Mittel, das Ziel einer reinen, klaren und präzisen Malerei und der universelle Ansatz finden sich bei Bill zwar nicht wörtlich, aber doch sinngemäß wieder.

Ebenso wie das Konzept der Konkretisierung einer Idee: „Das Kunstwerk muss vor seiner Ausführung vollständig im Geist entworfen und ausgestaltet worden sein“ heißt es bei van Doesburg. Konkrete Malerei sei „Konkretisierung des schöpferischen Geistes“, schrieb er in den dazugehörigen Kommentaren. „Die Malerei ist ein Mittel, um Gedanken visuell zu verwirklichen“, an einer weiteren Stelle. Bei Bill wurde daraus – allerdings erst 1949 – dieser Satz: „vorher nur in der vorstellung bestehende abstrakte ideen werden in konkreter form sichtbar gemacht.“ Es sind lediglich zwei Punkte, in denen Bill tatsächlich van Doesburgs Manifest erweiterte: Zum einen nannte er neben Farbe und Form auch Raum, Licht und Bewegung als gestalterische Mittel und schloss damit auch die Plastik mit ein. Zum anderen deutete er bereits jene Systematisierung und Nähe zur Wissenschaft an, die die weitere Entwicklung der Konkreten Kunst bestimmen sollten. Ist in der Version von 1936 noch von einer „plan- und gesetzmäßige(n) bearbeitung“ die Rede, formulierte Bill 1944: Die Konkrete Kunst „setzt systeme, ordnet diese und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben“. Vergleicht man Bills drei Versionen, fällt auf, das die dritte mehr oder weniger eine gekürzte Fassung der zweiten ist, während sich die zweite deutlich von der ersten unterscheidet. Hier ging es Bill nicht nur darum, die einzelnen bildnerischen Mittel zu benennen, sondern auch um ihre Beziehungen zueinander. Und bemerkenswert ist, dass sein erstes Manifest unter dem Titel „konkrete gestaltung“ erschien, während er später stets von „konkreter kunst“ sprach.“

Quelle: Zehentbauer, M., „Der konkreteste Konkrete? Max Bill“,in: Die Konkrete Idee – Konkrete Kunst als ideengeschichtliche Entwicklung,Hrsg.: Museum für Konkrete Kunst, Wienand Verlag , Köln, S. 45f.

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