Sonia Delaunay – Design Boutiquen, Hydranten und Simultankleider

Zum Schluss meiner kleinen Reihe von Beiträgen zu den Konkreten KünstlerINNEN nochmal zurück zu Sonia Delaunay. Auch wenn ich bereits zweimal über sie geschrieben habe, so denke ich dennoch, dass der folgende Beitrag durchaus noch lesenswert ist:

„Stoffe, Vorhänge, Möbel, Theateraufführungen, Bücher, Kirchenfenster, Kartenspiele, Teller, Autos – während der ersten 75 Jahre des vorigen Jahrhunderts war praktisch nichts davor sicher, von Sonia Delaunay auf eine einmalige und aufregend neue Weise gestaltet, zu einem Kunstwerk zu werden. Bis in das hohe Alter von 94 Jahren gelang es ihr dabei, zeitlos modern und »Avantgarde« zu sein – aktiv bis zu ihrem friedlichen Tod im Atelier.

Painted_Bollard,_Winchester_15

Hydrant, gestaltet von Sonia Delaunay, Andy Mabbett, Painted Bollard, Winchester 15, CC BY-SA 3.0

… Als sie nach einem Studium an der Kunstakademie von Karlsruhe 1905 nach Paris kam, ließ sie sich zuerst von Matisse und den Fauves, von Gauguin und van Gogh inspirieren: klare, großangelegte Farbflächen mit starken Konturen…. Aufbauend auf dem Text des Physikers Chevreul über den Simultankontrast von Farben, experimentieren die Delaunays mit Farbflächen und untersuchen die Veränderungen der Farb- und Tonwerte, die bei bestimmten Farbkonstellationen auftreten, um mit der gezielten Verwendung der Farbreaktionen die »lichterfüllte Natur« einzufangen.

Sonia malt mehrere Fassungen von dem Tanzlokal Bal Bullier, in dem allwöchentlich die KünstlerInnen die Nacht durchtanzen und in dem Sonias ›Simultankleider‹ Furore machen. Sie fängt die Atmosphäre von Licht und Bewegung mit durcheinanderwirbelnden Farbflächen ein – tanzende Paare tauchen höchstens schemenhaft auf. …

Vom 1. Weltkrieg in Spanien überrascht, bleibt Delaunay mit ihrer Familie bis Anfang der 20er Jahre auf der iberischen Halbinsel. Die schöne unbeschwerte Zeit geht schlagartig zu Ende, denn mit der russischen Revolution entfällt die Unterstützung durch Sonias reiche Verwandten aus St. Petersburg. Es ist Sonia, die für viele Jahre auf ihren Lebensinhalt, das Malen, verzichtet und mit ihrer »Design-Boutique« den Unterhalt bestreitet – ihre außergewöhnlichen Kreationen sind erst in Spanien, dann in Paris ein ungeheurer Erfolg.

Mit der Weltwirtschaftskrise gehen auch Sonias Geschäfte nicht mehr so gut, 1930 gibt sie die Produktion auf und malt wieder. Als 1941 Robert Delaunay an Krebs stirbt, arbeitet Sonia unermüdlich daran, das Werk ihres Mannes bekanntzumachen und seine herausragende Stellung in der modernen Kunstgeschichte zu manifestieren. Ihr eigener, ebenso großer Verdienst um die Moderne ist heute wohl unumstritten. Berühmt wurde Sonia Delaunay allerdings durch die praktische Anwendung ihrer ästhetische Prinzipien auf Wandteppiche, Bucheinbände, Möbel und Innendekorationen.“

Quelle: Sonia Delaunay, Frauenbiografieforschung Online, unter: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/sonia-delaunay , aufgerufen am 01.05.2018

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