Theo van Doesburg, De Stijl und das Bauhaus II

Über die Begegnung von Theo van Doesburg mit dem Maler Karl-Peter Röhl habe ich bereits geschrieben. Auch die Vorbehalte von Walter Gropius, van Doesburg als Dozent am Bauhaus anzustellen, wurden bereits erwähnt. Hier nochmal ein Artikel zur Beziehung von Theo van Doesburg zu De Stijl und zum Bauhaus:

„Die Zeitschrift „De Stijl“ stellte im neutralen Holland, das im Schatten der Krieg führenden Länder rundum nach einen künstlerischen Aufbruch suchte, ein Sammelbecken für neue Ideen dar – nicht nur in der Kunst, sondern für eine grundstürzend andere Betrachtung der Welt, zu der alle Gewerke aufgerufen waren. De Stijl so hieß es im Manifest, das mit der vierten Ausgabe veröffentlicht wurde, wolle „zur Entwicklung eines neuen Schönheitsbewusstseins“ beitragen, die Menschen „für das Neue empfänglich machen“.

So ähnlich klang dies zwei Jahre später bei der Gründung des Bauhauses in Weimar. Van Doesburg, der Unermüdliche, reiste sogleich an, um dort de Stijl auf die internationale Bühne zu heben. Die anfängliche Sympathie von Direktor Gropius für den temperamentvollen Gastdozenten und hartnäckigen Promotor eigener Ideen, der auf seinen aus Weimar verschickten Postkarten das Bauhaus-Gebäude mit de-Stijl-Schriftzügen überzog, währte nicht lang, bald kam es zu Streitigkeiten. 1920 reiste van Doesburg weiter nach Paris. Da hatten sich seine ersten Kombattanten auch schon wieder abgewandt. Van der Leck, einst Gründungsmitglied, löste sich bereits 1918, weil er das Manifest nicht unterzeichnen wollte. Als van Doesburg 1931 stirbt, ist er das letzte Gruppenmitglied, posthum erscheint als Hommage nur noch eine Nummer.

De Stijl hatte da längst seinen Siegeszug angetreten, die Zeit war reif nicht nur für eine radikale Reduktion in der Malerei, den Abschied von der behäbigen Haager Schule, sondern auch für eine Zusammenführung der Künste im alltäglichen Gebrauch. Unter dem Banner von de Stijl begannen Maler Häuser zu entwerfen, Architekten zu malen, Glaskünstler Möbel zu bauen. Anders als beim Bauhaus, das ebenfalls die Vision eines Gesamtkunstwerks, die Vereinigung von Kunst und Leben verfolgte, hat de Stijl nie Massenproduktion angestrebt. Die Aufträge wurden stets individuell ausgeführt.“

Quelle: Nicola Kuhn: „100 Jahre de Stijl – Keine Angst vor Rot, Gelb, Blau“, 17.02.2016, unter: Tagesspiegel Online: http://www.tagesspiegel.de/kultur/100-jahre-de-stijl-keine-angst-vor-rot-gelb-blau/19396606.html

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